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Wirtschaft und Wachstum

  • Klaus Kraemer

摘要

In diesem Beitrag werden die soziologischen Voraussetzungen und Folgen der historisch beispiellosen Wachstumsdynamik des modernen Kapitalismus skizziert. Im Einzelnen werden strukturelle, politisch-institutionelle, kulturelle, praktische und sozialstrukturelle Einflussfaktoren identifiziert und aufeinander bezogen, um die sozialen Grundlagen der ökologischen Krise der Gegenwart besser verstehen und erklären zu können. Argumentiert wird, dass die Wachstumsdynamik soziologisch unverstanden bleibt, sobald sie auf ökonomische „Gesetzmäßigkeiten“, psychische Dispositionen, „materialistische“ Wertorientierungen, individuelles Konsumverhalten oder den persönlichen Ressourcenverbrauch kausal zurückgeführt wird. Gegenüber normativ orientierten Wachstums- (Degrowth) und Konsumkritiken (Suffizienz) wird ein soziologisch vertieftes Verständnis des Zusammenhangs von Wirtschaft, Wachstum und Gesellschaft vorgeschlagen, um die mannigfaltigen Zielkonflikte zwischen wirtschaftlicher Prosperität, sozialer Wohlfahrtsproduktion und einer nachhaltigen, ökologisch verträglichen Entwicklung in den Blick nehmen zu können. Damit wird dafür plädiert, den weithin ungebremsten Ressourcen und Wachstumstrend der modernen Ökonomie als umfassendes soziales Kollektivphänomen zu analysieren. Abschließend wird die Ambivalenz und Paradoxie dieser säkularen Wachstumsdynamik erörtert, die zivilisatorisch beispiellose produktive (Innovationen) und destruktive (wirtschaftliche und soziale Krisen, ökologische Degradation) Potenziale hervorgebracht hat und fortlaufend freisetzt.