Feministische und dekoloniale Perspektiven in der und für die Umweltsoziologie
摘要
Welche Relevanz haben feministische Ansätze derzeit in der Umweltsoziologie? Welche Rolle spielen Perspektiven aus dem Globalen Süden, die von dekolonialen Autor*innen in aktuelle Debatten um Klimapolitik und Nachhaltigkeit eingebracht werden? Wie können feministische und dekoloniale Ansätze konkret in umweltsoziologische Forschung und Lehre integriert werden? Diese Fragen bilden die Leitlinien dieses Buchbeitrags. Darin bieten wir einen Überblick über den Forschungsstand zu Geschlechterverhältnissen in der Umweltsoziologie und zeichnen die historische Entwicklung im Globalen Norden anhand wesentlicher politischer Bewegungen und Diskussionsstränge nach. Mit dem Schwerpunkt auf Konzepten wie cuerpo-territorio (Cabnal 2010) und territorialen Feminismen (Ulloa 2016) eröffnen wir zudem Einblicke in die Theoriediskussionen im Globalen Süden, die u. a. vom engen Austausch zwischen Wissenschaft und sozialen Bewegungen geprägt sind. Anhand des Fallbeispiels Kohle-Extraktivismus in Kolumbien zeigen wir die Relevanz feministischer Konzepte für die Analyse kolonialer Landaneignung und sozial-ökologischer Konflikte auf und verbinden diese mit den Debatten um Postwachstum im Globalen Norden. Der Beitrag schließt mit einem Toolkit, das Forschenden und Lehrenden als Anregung dient, um anhand geeigneter Reflexionsfragen selbst feministische und dekoloniale Perspektiven in die eigene Arbeit zu integrieren.