Adas Traum, oder: Die Weberei als algorithmische Wissenskultur
摘要
Ada Lovelace (1815–1852) hatte die Vision, den Jacquardwebstuhl zu einer universalen Musterrechenmaschine weiterzuentwickeln, indem die Möglichkeiten der Spiegelung und/oder Wiederholung von Lochkartensequenzen, die für die algebraischen Operationen der Analytical Engine entworfen wurden, auch in der Weberei eingesetzt werden sollten. Obwohl die Vergleiche von Jacquardwebstuhl und Computer aus der Geschichte der Informatik nicht mehr wegzudenken sind, ist der tatsächliche technisch-theoretische Zusammenhang von Weberei und binärer Technologie unklar. Dass es sich bei der Weberei um eine algorithmische Wissenskultur von sehr hohem Alter handelt, ist selten thematisiert worden. Hier setzt der vorliegende Beitrag ein und zeigt an ausgewählten Beispielen, wie WeberInnen vor Joseph-Marie JacquardJacquard, Joseph-Marie (1752–1834) an ihren Handwebstühlen Muster „berechnen“ indem sie Teilsequenzen binärer Daten auf genau die Weise kombinieren, von der Lovelace geträumt hat. Während die traditionelle Weberei tatsächlich eine algorithmische Wissenskultur war, hat JacquardJacquard, Joseph-Marie (1752–1834) den Webstuhl auf eine Maschine reduziert, die keine Muster mehr berechnen kann, sondern lediglich ein mittels Lochkarten festgelegtes Ergebnis ausgibt.