Wohnungslose, Wohnungslosenhilfe und soziale Ausschließung
摘要
Es dürfte kaum ein Praxisfeld der Sozialen Arbeit geben, in dem soziale Ungleichheit und soziale Ausschließung so drastisch und so kontinuierlich in Erscheinung treten wie in der Wohnungslosenhilfe … und dennoch – von sporadischen Thematisierungskonjunkturen und Skandalisierungswellen abgesehen – ebenso beharrlich im politischen wie medialen und wissenschaftlichen Diskurs ein Randphänomen bleiben. Während die dem Markt und/oder dem Staat zugeschriebenen Defizite in der Wohnraumversorgung und die damit verbundenen prekären Wohnverhältnisse noch Teil der politischen Agenda und des öffentlichen Diskurses sind, kommt der Wohnungslosigkeit selbst mit den sie begleitenden Zwangsräumungen, den ordnungs- und polizeirechtlichen Einweisungen in kommunale Obdachlosenunterkünfte oder den Bedingungen in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe eine nachgeordnete und bestenfalls unter ordnungspolitischen Gesichtspunkten verhandelte Bedeutung zu. Diese auffällige Diskrepanz hat nicht zuletzt mit den gesellschaftlich dominierenden Bildern von Wohnungslosen und den gängigen alltagstheoretischen und wissenschaftlichen Erklärungen von Wohnungslosigkeit zu tun, mit denen soziale Ausschließung und Diskreditierung hergestellt und begründet werden. Die Analyse der theoretisch-wissenschaftlichen Erklärung von Wohnungslosigkeit, der öffentlichen Repräsentation von Wohnungslosen und der sozialen und politischen Reaktion auf Wohnungslosigkeit und Wohnungslose stehen vor diesem Hintergrund im Mittelpunkt der folgenden Ausführungen.