Wer wohnungslos und psychisch krank ist, steht außen vor – nicht nur in der sozialwissenschaftlichen Forschung. Die Corona-Pandemie hat die Situation dieser Menschen noch massiv verschärft. Wie sollen sie die gesellschaftlichen Vorgaben erfüllen, um sich und andere vor einer Infektion zu schützen? Dabei ist das, was als Straßenobdachlosigkeit öffentlich sichtbar ist, nur ein Teil des Phänomens. Niemand weiß außerdem genau, wie Wohnungslosigkeit und psychische Erkrankung zusammenhängen, oder woher die große Zurückhaltung dieser Menschen kommt, wenn es darum geht, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Dieser Beitrag geht diesen Fragen nach. Ausgehend von einem Überblick über den aktuellen Forschungsstand wird die Versorgungslage psychisch kranker wohnungsloser Menschen vor allem im urbanen Ballungsraum Hamburg beschrieben. Im Ergebnis offenbart sich eine Melange aus hohen individuellen Belastungsfaktoren und oft unzureichenden institutionellen Versorgungsstrukturen. Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession hat, so das Fazit, auf beiden Ebenen anzusetzen. Vor allem aber ist es ihre Aufgabe, auf einer dritten gesellschaftlichen Ebene die soziale Ungleichheit zu adressieren: Sie ist die Ursache dieser Unverträglichkeiten, die zu Armut und seelischem Leid beitragen.

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Obdachlos und psychisch krank im Jahre 2022 – Versuch einer Bestandsaufnahme im urbanen Raum

  • Tatjana Leipersberger

摘要

Wer wohnungslos und psychisch krank ist, steht außen vor – nicht nur in der sozialwissenschaftlichen Forschung. Die Corona-Pandemie hat die Situation dieser Menschen noch massiv verschärft. Wie sollen sie die gesellschaftlichen Vorgaben erfüllen, um sich und andere vor einer Infektion zu schützen? Dabei ist das, was als Straßenobdachlosigkeit öffentlich sichtbar ist, nur ein Teil des Phänomens. Niemand weiß außerdem genau, wie Wohnungslosigkeit und psychische Erkrankung zusammenhängen, oder woher die große Zurückhaltung dieser Menschen kommt, wenn es darum geht, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Dieser Beitrag geht diesen Fragen nach. Ausgehend von einem Überblick über den aktuellen Forschungsstand wird die Versorgungslage psychisch kranker wohnungsloser Menschen vor allem im urbanen Ballungsraum Hamburg beschrieben. Im Ergebnis offenbart sich eine Melange aus hohen individuellen Belastungsfaktoren und oft unzureichenden institutionellen Versorgungsstrukturen. Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession hat, so das Fazit, auf beiden Ebenen anzusetzen. Vor allem aber ist es ihre Aufgabe, auf einer dritten gesellschaftlichen Ebene die soziale Ungleichheit zu adressieren: Sie ist die Ursache dieser Unverträglichkeiten, die zu Armut und seelischem Leid beitragen.