Frühe europäische Indienwahrnehmung und der Islam
摘要
Indien tritt bis heute in der westlichen Imagination als Land entgegen, das voll von Religion und „Spiritualität“ sei und einen expliziten Kontrast zum „Westen“ darstelle. Diese Wahrnehmung hat viel mit spezifischen kultur- und geistesgeschichtlichen Konstellationen des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jh. zu tun und muss dementsprechend kontextualisiert werden. Der vorliegende Beitrag hat zum Ziel, eines der frühesten Beispiele der europäischen Indienwahrnehmung, die erste Übersetzung der sogenannten Upanishaden in eine europäische Sprache durch den bedeutenden Persischphilologen Abraham H. Anquetil-Duperron (1731–1805), einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen. Dabei wird deutlich werden, dass dieser Zugang sehr stark von Elementen einer zuvor erfolgten Interpretation der Upanishaden durch einen muslimischen Denker, den Mogulprinzen Dārā Šukūh (1615–1658), geprägt ist. Es kann somit auf die ausgeprägte Interdependenz zwischen früher europäischer und islamischer Interpretationsgeschichte Indiens hingewiesen werden und am konkreten Beispiel der Nachweis erbracht werden, dass ein bedeutender Aspekt der aktuellen westlichen Indienwahrnehmung bereits eine Vorprägung im Kontext des Islam erfahren hat.