Konsequenzen sozioökonomischer Ungleichheit für Individuum und Gesellschaft
摘要
Global kompetent zu handeln bedeutet unter anderem, soziale Verantwortung zu übernehmen und Anerkennungserfahrungen für Menschen zu ermöglichen. Im folgenden Kapitel beleuchten wir aus einer (sozial)psychologischen, soziologischen und philosophischen Perspektive, zu welchen Herausforderungen die weltweit zunehmende sozioökonomische Ungleichheit führt und welche Konsequenzen dies für Anerkennung und in der Folge für die Gesundheit von Menschen hat. Dabei gehen wir davon aus, dass sozioökonomische (Un)Gleichheit aus mindestens zwei Perspektiven betrachtet werden kann: Zum einen können der sozioökonomische Status des Individuums – also das Einkommen, Vermögen und die Bildung einer Person – und vorhandene Variationen zwischen Individuen betrachtet werden. Die Forschung in diesem Bereich zeigt konsistent, dass ein niedriger sozioökonomischer Status negative Auswirkungen auf die physische und mentale Gesundheit von Menschen hat. Auf diesen Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Gesundheit gehen wir im ersten Teil des Kapitels ein. Zum anderen kann Ungleichheit auf gesellschaftlicher Ebene betrachtet werden. Dort beschreibt sie, wie (un)gleich Ressourcen, Einkommen und Vermögen in Gesellschaften verteilt sind und ermöglicht auch Vergleiche zwischen Gesellschaften. Den aus dieser ökonomischen Ungleichheit auf gesellschaftlicher Ebene resultierenden gesundheitlichen und sozialen Problemen widmen wir uns im zweiten Teil des vorliegenden Kapitels. Nach einem kurzen Überblick über die vorhandene Forschung zu möglichen zugrundliegenden Mechanismen, diskutieren wir die Rolle von sozialer Anerkennung und deren Verinnerlichung. Dabei werden zunächst drei Formen sozialer Anerkennungserfahrungen (bedürfnisbasierte Zuwendung, soziale Wertschätzung und gleichheitsbasierter Respekt) und deren Verinnerlichung in (jeweils) Selbstvertrauen, Selbstwert und Selbstrespekt vorgestellt. Anschließend wird dargestellt, wie sich sowohl ein niedriger sozioökonomischer Status des Individuums als auch Ungleichheit innerhalb von Gesellschaften negativ hinsichtlich aller drei Anerkennungserfahrungen auswirken können. Im letzten Teil des Kapitels diskutieren wir, warum insbesondere Respekterfahrungen und deren Verinnerlichung als Selbstrespekt eine zentrale, bisher wenig betrachtete, Größe darstellen und inwieweit Respekterfahrungen als Erklärungsansätze für den vielmals berichteten Zusammenhang zwischen individueller bzw. gesellschaftlicher Ungleichheit und (mentaler) Gesundheit dienen können. Abschließend geben wir einen Ausblick auf zukünftige Forschung und thematisieren kurz mögliche gesellschaftliche Interventionen.