Anarchismus und Frieden
摘要
Die transnationale Beziehungsgeschichte zwischen Anarchismus und Pazifismus ist noch nicht umfassend dargestellt worden. Dass eine solche um die Idee des Friedens kreisende Darstellung wechselseitig erhellend sein kann, wird hier exemplarisch vorgeführt anhand der bekannten, vom norwegischen Wissenschaftler Johan Galtung (1930–2024) popularisierten Unterscheidung eines „negativen“ von einem „positiven“ Begriff des Friedens. Präsentiert werden zwei unbekannte Ursprungsstränge dieses Paradigmas der Friedensforschung aus dem Anarchismus und Pazifismus: erstens aus der prinzipiellen Gegnerschaft zu Gewalt, Krieg und Staat wie sie uns im Wirken von Leo Tolstoi (1828–1910) und Gustav Landauer (1870–1919) begegnet, zweitens aus dem pazifistischen Engagement von Jane Addams (1860–1935) und Martin Luther King Jr. (1929–1968). Diese zwei Stränge grenzen sich ab von der ambivalenten Haltung vieler Anarchistinnen und Anarchisten zum Problem der Gewaltanwendung, beispielsweise abzulesen an unterschiedlich motivierten Bezügen auf die sogenannte direkte Aktion als Protestmethode, welche im Pazifismus gewaltfrei sein soll, im Anarchismus hingegen häufig nicht eindeutig auf die ethisch begründete Einheit von Zweck und Mittel festgelegt ist.