Während das 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. aufgrund der Zeitläufte einen Höhepunkt des Nachdenkens über die ökonomische Ordnung der Polis bilden, lässt sich in der hellenistischen Zeit eine Verlagerung auf das Individuum erkennen. Soweit es die fragmentarische Überlieferung der Zeit erkennen lässt, steht damit der individuelle Umgang mit Erwerb und Reichtum durch den philosophisch tätigen Mann im Vordergrund philosophischer Einlassungen. Dementsprechend ist auch kein Interesse mehr an politischen Gemeinschaften erkennbar, wofür in der realen Lebenswelt die Bildung der makedonischen Reiche sowie dann die Einbeziehung derselben in das Römische Reich gesorgt haben wird. Soweit es die Texte erkennen lassen, wird diese Haltung – nicht zuletzt aufgrund der Wirkmächtigkeit der literarischen Vorbilder – in der römischen Kaiserzeit weitergeführt, soweit es die philosophischen Texte erkennen lassen. Bei den lateinischen Autoren tritt zu dieser Pose eine dezidierte Bezugnahme auf eine als ideal imaginierte römische Frühzeit, deren Heroen aufgrund ihrer Genügsamkeit und ihres vergleichsweise geringen Besitzes der eigenen Gegenwart als positive Exempla gegenübergestellt werden. Eine dezidierte Ausnahme bildet das in einer arabischen Übersetzung überlieferte Werk des Bryson, der im Gegensatz zu seinen literarischen Vorläufern die Entstehung der Gesellschaft im ökonomischen verortet. Einblicke in das Wirtschaftsdenken der römischen Gesellschaft erlauben insbesondere die Werke der Agrarschriftsteller, die nicht zuletzt auch über die Neuverhandlungen des moralischen Bezugssystems in Gestalt der Sitte der Vorfahren Auskunft geben.

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Wirtschaftsdenken in der hellenistischen Welt und in Rom

  • Kai Ruffing

摘要

Während das 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. aufgrund der Zeitläufte einen Höhepunkt des Nachdenkens über die ökonomische Ordnung der Polis bilden, lässt sich in der hellenistischen Zeit eine Verlagerung auf das Individuum erkennen. Soweit es die fragmentarische Überlieferung der Zeit erkennen lässt, steht damit der individuelle Umgang mit Erwerb und Reichtum durch den philosophisch tätigen Mann im Vordergrund philosophischer Einlassungen. Dementsprechend ist auch kein Interesse mehr an politischen Gemeinschaften erkennbar, wofür in der realen Lebenswelt die Bildung der makedonischen Reiche sowie dann die Einbeziehung derselben in das Römische Reich gesorgt haben wird. Soweit es die Texte erkennen lassen, wird diese Haltung – nicht zuletzt aufgrund der Wirkmächtigkeit der literarischen Vorbilder – in der römischen Kaiserzeit weitergeführt, soweit es die philosophischen Texte erkennen lassen. Bei den lateinischen Autoren tritt zu dieser Pose eine dezidierte Bezugnahme auf eine als ideal imaginierte römische Frühzeit, deren Heroen aufgrund ihrer Genügsamkeit und ihres vergleichsweise geringen Besitzes der eigenen Gegenwart als positive Exempla gegenübergestellt werden. Eine dezidierte Ausnahme bildet das in einer arabischen Übersetzung überlieferte Werk des Bryson, der im Gegensatz zu seinen literarischen Vorläufern die Entstehung der Gesellschaft im ökonomischen verortet. Einblicke in das Wirtschaftsdenken der römischen Gesellschaft erlauben insbesondere die Werke der Agrarschriftsteller, die nicht zuletzt auch über die Neuverhandlungen des moralischen Bezugssystems in Gestalt der Sitte der Vorfahren Auskunft geben.