Die gegenwärtige neoliberale Ausrichtung der westlichen Politik und Gesellschaftsgestaltung hat durchaus seine Grundlage in einer einflussreichen ökonomischen Theorie: in der ökonomischen Variante einer Universaltheorie menschlichen Verhaltens. Sie ist in der ökonomischen Literatur bekannt unter dem Namen ‚ökonomischer Imperialismus‘. Dessen Grundgedanke ist sehr einflussreich auch in den anderen Sozialwissenschaften. Hier wird vielfach das rational choice model (RCM) zur Erklärung sozialer Sachverhalte herangezogen. Es ist formaliter der Erklärungsansatz der neoklassischen Wirtschaftstheorie. Vor diesem Hintergrund werden zunächst in der Perspektive Kants und der Tradition der Transzendentalphilosophie einige Voraussetzungen des RCM problematisiert, namentlich die Gegebenheit von Präferenzen und die Quantifizierbarkeit des Nutzens. Es stellt sich heraus, dass das RCM nicht als Universaltheorie menschlichen Verhaltens zu fungieren vermag. Sodann wird eine Voraussetzung problematisiert, die das Kantische Rationalitätsmodell und die neoklassische Ökonomik teilen: Freiheit als Willkürfreiheit, als Vermögen der Wahl. Mit Hilfe von Hegels Kritik an Kants Standpunkt der Moralität wird aufgezeigt, warum und wie das willkürtheoretische Freiheitsverständnis in Einklang zu bringen ist mit der sozialen Natur menschlicher Freiheit, so dass es nochmals zu einem fundamentaleren Freiheitsbegriff als der des RCM kommt.

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Rational Choice und menschliche Freiheit

  • Christian Krijnen

摘要

Die gegenwärtige neoliberale Ausrichtung der westlichen Politik und Gesellschaftsgestaltung hat durchaus seine Grundlage in einer einflussreichen ökonomischen Theorie: in der ökonomischen Variante einer Universaltheorie menschlichen Verhaltens. Sie ist in der ökonomischen Literatur bekannt unter dem Namen ‚ökonomischer Imperialismus‘. Dessen Grundgedanke ist sehr einflussreich auch in den anderen Sozialwissenschaften. Hier wird vielfach das rational choice model (RCM) zur Erklärung sozialer Sachverhalte herangezogen. Es ist formaliter der Erklärungsansatz der neoklassischen Wirtschaftstheorie. Vor diesem Hintergrund werden zunächst in der Perspektive Kants und der Tradition der Transzendentalphilosophie einige Voraussetzungen des RCM problematisiert, namentlich die Gegebenheit von Präferenzen und die Quantifizierbarkeit des Nutzens. Es stellt sich heraus, dass das RCM nicht als Universaltheorie menschlichen Verhaltens zu fungieren vermag. Sodann wird eine Voraussetzung problematisiert, die das Kantische Rationalitätsmodell und die neoklassische Ökonomik teilen: Freiheit als Willkürfreiheit, als Vermögen der Wahl. Mit Hilfe von Hegels Kritik an Kants Standpunkt der Moralität wird aufgezeigt, warum und wie das willkürtheoretische Freiheitsverständnis in Einklang zu bringen ist mit der sozialen Natur menschlicher Freiheit, so dass es nochmals zu einem fundamentaleren Freiheitsbegriff als der des RCM kommt.