Zur Gouvernementalität der Beratung oder die Bedeutung einer Beratungsethik für die Selbstsubjektivierung der Beratenden
摘要
Dieser Text untersucht das Verhältnis von Fremd- und Selbstsubjektivierung in Beratungskontexten mit besonderem Fokus auf die Rolle und das Selbstverständnis der Beratenden. Ausgangspunkt ist der von Michel Foucault geprägte Begriff der Gouvernementalität, der beschreibt, wie Führung und Steuerung von Individuen zunehmend über subtile, sanfte Machttechnologien wie das Nudging erfolgen, die auf die Selbststeuerung der Betroffenen abzielen. Es wird analysiert, wie Berater:innen durch ihre eigene Beratungspraxis und unter Einfluss gesellschaftlicher Machtverhältnisse ihre professionelle Subjektivität ausbilden und welchen ethischen Herausforderungen sie dabei begegnen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Beratung als Prozess der Selbst- und Fremdsteuerung zu verstehen ist und inwiefern eine Beratungsethik notwendig ist, um manipulativen Tendenzen entgegenzuwirken. Der Autor argumentiert, dass Beratung immer auch Selbstberatung ist, da Systeme letztlich nur sich selbst irritieren und steuern können. Abschließend wird hervorgehoben, dass professionelle Beratung eine reflektierte Auseinandersetzung mit Macht, Subjektivierung und Ethik erfordert, um verantwortungsvoll mit den subtilen Einflussmöglichkeiten umzugehen, die der Beratungsprozess bietet.