Aseptische Prothesenlockerung am Kniegelenk
摘要
Knieendoprothesen haben in gepoolten Registerdaten eine Überlebensrate von 82 % beziehungsweise 70 % nach 25 Jahren. Trotzdem hat die Zahl der Knierevisionen in den vergangenen Jahren aufgrund der gestiegenen Anzahl der Primärimplantationen und der Zunahme der Implantationen bei jüngeren aktiveren Patienten stark zugenommen, und wird voraussichtlich weiter steigen. Die aseptische Lockerung ist nach der periprothetischen Infektion eine der häufigsten Gründe für Revisionen und kann zementierte und zementfreie Implantate betreffen. So wurde im deutschen Endoprothesenregister (EPRD) die Lockerung einer Komponente in 23,5 % der Fälle als Ursache des Folgeeingriffs am Knie angegeben, gefolgt von der periprothetischen Infektion mit 15,0 %. Dieses deckt sich mit den Daten des Registers der NHS), wobei das Risiko der zementfreien Prothesen höher scheint als das der zementierten. Unikondyläre Prothesen werden am häufigsten wegen fortschreitender Arthrose der nicht ersetzten Kompartimente revidiert. In den ersten zwei Jahren nach Implantation jedoch ist die periprothetische Infektion als Revisionsursache häufiger als die aseptische Lockerung. In der Literatur sind verschiedene Gründe und mögliche Risikofaktoren aseptischer Lockerungen beschrieben. Als möglicher Grund für frühe Lockerungen wird in der Literatur unter anderem die Ablösung (debonding) der Tibiakomponente vom Zementmantel genannt. Als ursächlich diskutiert werden implantatspezifische kleine Zementtaschen, verminderte Oberflächenrauhigkeit oder Verwendung von hochviskösem Zement und mangelhafter Zementiertechnik. Auch die alleinige Zementierung der tibialen Oberfläche ohne den Kiel scheint die aseptische Lockerung zu begünstigen. Die Osteonekrose als Diagnose der Primäroperation scheint ebenfalls das Risiko einer frühen Lockerung zu erhöhen, weshalb die prophylaktische Verwendung eines Prothesenstiels in diesen Situationen empfohlen wird. Auf der patellaren Seite sind als Risikofaktoren für eine aseptische Lockerung die asymmetrische Resektion, patellares Maltracking, patellare Frakturen, Zementierung in sklerotischem Knochen sowie patellare Osteonekrosen beschrieben. Während Osteolysen durch Abriebpartikel in früheren Jahren häufig Grund für Lockerungen waren, sind diese in den vergangenen Jahren durch verbesserte Implantatmaterialien, hochvernetzte Polyethylene deutlich seltener geworden. Jedoch können auch mit modernen Implantaten zum Beispiel durch Zementreste im Sinne von Drittkörperabrieb massive Osteolysen entstehen. Abriebpartikel initiieren eine Kaskade von Ereignissen, welche vermittelt durch proinflammatorische Cytokine und Prostaglandine zur Aktivierung von Osteoklasten und Inhibierung von Osteoblasten im periprothetischen Umfeld führt. Am Ende führt diese verstärkte Entzündungsreaktion zur Osteolyse und schließlich zur Lockerung der Prothese. Verschiedene Arbeiten haben gezeigt, dass die postoperative Ausrichtung der Prothese relevanten Einfluss auf des Abriebverhalten des Polyethylenonlays hat. Dabei scheint insbesondere eine postoperative Varusfehlstellung der Gesamtachse des Beines zu vermehrtem Abrieb zu führen.