Dieser Beitrag liefert einen Überblick über den Forschungsbereich der sprachlichen Entwicklung im ersten Lebensjahr. Bevor ab ca. 9 Lebensmonaten die lexikalische Entwicklung einsetzt, entdecken Säuglinge durch eine Analyse der statistischen Regularitäten sowie der prosodischen Merkmale des Sprachstroms, dem sie ausgesetzt sind, die grundlegenden grammatikalischen Strukturen der Sprache. Die statistischen und prosodischen Analysemechanismen operieren dabei auf unterschiedlichen Ebenen und dienen der Extraktion der Regeln, nach denen Phoneme, Silben, Wörter und phrasale Einheiten segmentiert und kombiniert werden. Der Prozess der Sprachverarbeitung durchläuft hierbei eine perzeptuelle Reorganisation, indem die Sprachwahrnehmung eine Konzentration auf die Merkmale derjenigen Sprache erfährt, in die das Kind hineinwächst. Erleichtert werden die Spracherwerbsprozesse durch das soziale Umfeld, indem sich dieses in der sprachlichen Interaktion an das Kind anpasst. Die an das Kind gerichtete Sprache enthält Vereinfachungen und Überbetonungen der statistischen und prosodischen Sprachmerkmale, die den zugehörigen Verarbeitungsprozessen beim Kind optimal korrespondieren. Nicht nur die Rezeption von Sprache, sondern auch die von Musik unterliegt statistischen und prosodischen Verarbeitungsprozessen. Sprache kann im Säuglingsalter als eine Form von Musik interpretiert werden, eine Hypothese, die darauf beruht, dass Sprache und Musik nicht nur hinsichtlich ihrer Lernmechanismen, sondern generell in ihren Entwicklungsmerkmalen grundlegende Parallelitäten aufweisen. Die Überschneidungen von Musik und Sprache eröffnen die Möglichkeit, durch ein gezieltes musikalisches Training die sprachliche Entwicklung bereits im Säuglingsalter zu fördern.

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Sprachentwicklung im ersten Lebensjahr

  • Michael Kavšek

摘要

Dieser Beitrag liefert einen Überblick über den Forschungsbereich der sprachlichen Entwicklung im ersten Lebensjahr. Bevor ab ca. 9 Lebensmonaten die lexikalische Entwicklung einsetzt, entdecken Säuglinge durch eine Analyse der statistischen Regularitäten sowie der prosodischen Merkmale des Sprachstroms, dem sie ausgesetzt sind, die grundlegenden grammatikalischen Strukturen der Sprache. Die statistischen und prosodischen Analysemechanismen operieren dabei auf unterschiedlichen Ebenen und dienen der Extraktion der Regeln, nach denen Phoneme, Silben, Wörter und phrasale Einheiten segmentiert und kombiniert werden. Der Prozess der Sprachverarbeitung durchläuft hierbei eine perzeptuelle Reorganisation, indem die Sprachwahrnehmung eine Konzentration auf die Merkmale derjenigen Sprache erfährt, in die das Kind hineinwächst. Erleichtert werden die Spracherwerbsprozesse durch das soziale Umfeld, indem sich dieses in der sprachlichen Interaktion an das Kind anpasst. Die an das Kind gerichtete Sprache enthält Vereinfachungen und Überbetonungen der statistischen und prosodischen Sprachmerkmale, die den zugehörigen Verarbeitungsprozessen beim Kind optimal korrespondieren. Nicht nur die Rezeption von Sprache, sondern auch die von Musik unterliegt statistischen und prosodischen Verarbeitungsprozessen. Sprache kann im Säuglingsalter als eine Form von Musik interpretiert werden, eine Hypothese, die darauf beruht, dass Sprache und Musik nicht nur hinsichtlich ihrer Lernmechanismen, sondern generell in ihren Entwicklungsmerkmalen grundlegende Parallelitäten aufweisen. Die Überschneidungen von Musik und Sprache eröffnen die Möglichkeit, durch ein gezieltes musikalisches Training die sprachliche Entwicklung bereits im Säuglingsalter zu fördern.