Dissoziative Störungen
摘要
Der Begriff der Dissoziation wird uneinheitlich gebraucht. Er schließt in einem breiten konzeptuellen Verständnis normalpsychologische Phänomene, wie z. B. das Nichtwahrnehmen automatisierter motorischer Handlungen, eine Neigung zu Tagträumen, Fantasie, mentale Absorption oder das Persönlichkeitsmerkmal Hypnotisierbarkeit ein. Er beschreibt andererseits in einer klinischen Perspektive auch pathologische Phänomene. Dissoziative Störungen sind durch einen teilweisen oder völligen Verlust der integrativen Funktionen des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der personalen Identität, qualitative Veränderungen der Selbst- und der Umweltwahrnehmung sowie neurologische Funktionsstörungen gekennzeichnet. Sowohl im Hinblick auf psychologische als auch auf körperliche Funktionen können „positive“ und „negative Symptome“ beschrieben werden. In DSM-5 werden die dissoziative Amnesie mit und ohne dissoziative Fugue, die dissoziative Identitätsstörung, die Depersonalisations- und Derealisationsstörung sowie andere dissoziative Störungen zur diagnostischen Gruppe der dissoziativen Störungen gezählt. In Unterscheidung zu ICD-11 bleiben aber funktionelle neurologische Störungen (Konversionsstörung) weiterhin der diagnostischen Gruppe der körperlichen Belastungsstörungen zugeordnet. ICD-11 führt wiederum an erster Stelle eine dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen auf, die in zahlreiche Unterformen aufgegliedert ist. Es folgen die dissoziative Amnesie, die Trance-Störung, die Besessenheits-Trance-Störung, die (partielle) dissoziative Identitätsstörung und in Unterscheidung zu ICD-10 auch die Depersonalisations-/Derealisationsstörung. Ursache und Entstehung dissoziativer Störungen sind prinzipiell multifaktoriell bedingt. In einer ätiopathogenetischen Perspektive werden allgemein zwei konträre Erklärungsansätze gewählt, einerseits ein „normal-psychologischer“ Zugang im soziokognitiven Modell, andererseits ein vorangig „klinischer“ Zugang im Traumamodell. In neueren Arbeiten deutet sich aber eine konstruktive Vermittlung zwischen beiden Positionen an. Zu den einzelnen dissoziativen Störungen werden epidemiologische Kennziffern, psychologische und neurobiologische Befunde, verlaufsbezogene Erkenntnisse und therapeutische Ansätze dargestellt. Es sind differenzierte störungsbezogene psychotherapeutische Verfahren modellhaft entwickelt worden, die auch auch in internationalen Guidelines aufgeführt sind. Allerdings steht eine eingehende empirische Validierung in kontrollierten Studien aber mehrheitlich noch aus. Auch für pharmakotherapeutische Interventionen, die zielsyndromorientiert hilfreich sein können, existieren nur wenige Studien nach EbM-Kriterien.