Spezifisch Belastungs-assoziierte Störungen
摘要
Ein Trauma ist ein äußeres Ereignis, das für die große Mehrheit der Betroffenen das Gefühl einer überwältigenden Bedrohung und Katastrophe vermittelt und Todesangst, Panik, Ohnmacht und Hilflosigkeit auslöst. Eine akute Traumaexposition geht regelhaft mit einer psychischen und psychosomatischen Erschütterung einher, von der sich aber in der Regel die meisten betroffenen Personen innerhalb einer absehbaren Zeit wieder gut erholen. Bei einer Subgruppe können aber in weiterer Folge zahlreiche psychische Störungen auftreten. In der konzeptuellen Einordnung weisen ICD-11 und DSM-5 einige Unterschiede auf. In DSM-5 stellen die akute Belastungsstörung (ABS) und die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) lediglich im Zeitkriterium unterschiedene prägnanztypische Traumafolgestörungen dar. In ICD-11 verweist die akute Belastungsreaktion auf passagere Symptome nach einem Trauma ohne den Stellenwert einer Störung. Die PTBS in ICD-11 ist im Gegensatz zur breiten konzeptuellen Fassung in DSM-5 sehr eng gefasst. Sie führt aber eigenständig eine komplexe PTBS an, die zusätzlich zu den Kernkriterien der PTBS als weitere Symptomcluster ein negatives Selbstkonzept, Probleme in sozialen Beziehungen sowie eine dysfunktionale Emotionsregulation aufzeigt. ICD-11 kennt zudem die spezielle Diagnose einer anhaltenden Trauerstörung. DSM-5 hat diese Störung erst in der TR-Version aufgenommen. Beide Klassifikationssysteme enthalten zusätzlich die diagnostische Rubrik der Anpassungsstörungen. Um die z. T. bedeutsamen konzeptuellen Veränderungen in den Trauma- und Stress-bezogenen Störungen während der letzten Jahre besser nachvollziehen zu können, sind auch weiterhin die jeweiligen diagnostischen Kriterien von ICD-10 und DSM-IV-TR im Kapitel angeführt. Die einzelnen spezifisch Stress-bezogenen Störungen werden in ihren differenziellen epidemiologischen Häufigkeiten und Risikofaktoren charakterisiert. Trotz der zentralen pathogenetischen Rolle einer Realtraumatisierung bzw. eines bedeutsamen persönlichen Verlustes im Fall der anhaltenden Trauerstörung bzw. eines relevanten Belastungsereignisses im Fall der Anpassungsstörung müssen in der Ätiopathogenese stets multifaktorielle Einflüsse berücksichtigt werden. So werden auf einer psychologischen, psychosozialen und soziokulturellen Ebene grundlegende Befunde aus Psychodynamik, Entwicklungspsychopathologie und Bindungsforschung, Verhaltens- und Kognitionspsychologie, Sozialpsychologie und transkultureller Psychiatrie zu Trauma/Stress und psychischen Folgestörungen dargestellt. Auf einer psycho- und neurobiologischen Ebene werden korrespondierende Ergebnisse aus Genetik, Neuroanatomie und Neuroimaging, zu Dysfunktionen in Neurotransmittersystemen, autonomem Nervensystem, Schlaf- und Traumaktivität sowie Stresshormon- und Immun-/Inflammationssystemen beschrieben und jeweils in ihren kurz- und langfristigen Auswirkungen auf den Verlauf diskutiert. Für eine differenzielle Behandlung existieren empirisch validierte psychotherapeutische und psychopharmakologische Ansätze. Die Verläufe v. a. von posttraumatischen Belastungsstörungen sind aber nach wie vor häufig chronisch und gehen mit bedeutsamen Behinderungsgraden einer. Es werden derzeit intensive Forschungsbestrebungen unternommen, um zu günstigeren Therapieoptionen zu gelangen.