Akustische Maske
摘要
Als eine der wichtigsten Grundlagen seiner Dramentheorie hat Canetti das Konzept der akustischen Maske entworfen. Er erläuterte es erstmals in einem Interview, das anlässlich einer Lesung seines Theaterstücks Hochzeit am 18.04.1937 in der Beilage des Wiener Tag (Der Sonntag) erschien, und führte es über 30 Jahre später in Gesprächen mit Manfred Durzak genauer aus. Neben diesen im Kontext des Dramenverfassens geäußerten Überlegungen finden sich in den autobiographischen Schriften und im anthropologischen Hauptwerk Masse und Macht (1960) Ausführungen zur akustischen Maske. Anders als im Interview im Wiener Tag und in den Gesprächen, in denen Canetti sich in erster Linie als Dramatiker präsentiert und das Konzept in den Dienst seiner Dramenproduktion stellt, erscheint die akustische Maske in Masse und Macht vor allem als ein universelles Element menschlichen Verhaltens, das primär der Machtgewinnung und Machterhaltung dient. Insofern kann man einen engeren, auf das Drama bezogenen Begriff von einem weiteren unterscheiden, bei dem im Kontext der Anthropologie der Macht meist allgemein von „Maske“ die Rede ist und die akustische Maske als Teil eines größeren Gesamtkonzepts erscheint.