Wiener Arbeiter-Zeitung
摘要
Als wichtigster österreichische Tageszeitung neben der Neuen Freien Presse – zugleich Forum der Wiener austromarxistischen Literatur- und Intellektuellenszene – kommt der Wiener Arbeiter-Zeitung (AZ) bis zu ihrem Verbot 1934 immense Bedeutung für das Werk Veza Taubner-Calderons und Elias Canettis zu: In seinem Vorwort zu Vezas Roman Die Gelbe Straße stellt Elias Canetti fest: „Diese Zeitung war nicht nur von Bedeutung als das Organ der Partei, die Wien regierte und auf neuartige und ideenreiche Weise verwaltete. Sie galt damals auch als die bestgeschriebene Zeitung Wiens“ (Canetti, Vorwort, in: GS 8). Über die Freundschaft mit dem Redakteur Ernst Fischer und über Veza als wichtige Beiträgerin ist das Paar Teil eines intellektuellen Netzwerks der AZ. Mit den Mitarbeitern und namentlich dem Chefredakteur Friedrich Austerlitz verbindet Elias Canetti und Veza Taubner-Calderon die Verehrung für Karl Kraus, der in einem zunächst engen, allerdings zunehmend konflikthaften Verhältnis zur AZ steht und sich 1926 von ihr abwendet (Fischer 2020, 703–724). Die AZ ist Vezas wichtigstes Publikationsmedium. Nahezu sämtliche ihrer zu Lebzeiten publizierten Erzähltexte sind hier erschienen (Preece 1995). Zudem kann die AZ als Themen- und Motivfundus für die Werke von Veza und Elias Canetti gelten – wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Die Zeitung selbst und ihre Bedeutung für das Wiener literarische Leben der Zwischenkriegszeit gilt es erst noch zu entdecken.