Sephardisches Erbe, jüdische Figuren
摘要
Die geistige und emotionale Verbundenheit des Ehepaares Canetti bezog Jeremy Adler bei Besuchen im Londoner Elternhaus nicht nur auf die Kultur, sondern auf die gemeinsame judenspanische Sprache: „Man teilte dieselbe Sprache, das Spaniolische, durch das sich das Ehepaar eine Bindung schuf, die keinem dritten den geringsten Einblick gewährte. Selbst in Gegenwart von Freunden diente das Ladino als Geheimsprache“ (Adler 2005, 225). Während Elias Canetti das jüdisch-sephardische Erbe seiner Vorfahren bereits im ersten Buch seiner dreibändigen Autobiographie zeigt, geraten die sephardischen Wurzeln Veza Canettis – zunächst versteckt in ihren unter Pseudonymen in der Wiener Arbeiter-Zeitung veröffentlichten Erzählungen – erst in den 1990er-Jahren mit dem posthumen Erscheinen ihrer Novellenzyklen Die Gelbe Straße, Geduld bringt Rosen, Der Fund, dem Theaterstück Der Oger und ihrem Exilroman Die Schildkröten an die breite Öffentlichkeit.