Elias Canetti ist ein Dichter ohne ausdrückliche Poetik. Aus Reden, Essays und Werken wie dem Ohrenzeugen ergibt sich aber dennoch eine Art von Programm. Wie sein großes Vorbild Georg Büchner, der seine poetischen Grundsätze lediglich dem Kunstgespräch im Lenz und wenigen Briefen oder Passagen in Dantons Tod implizit einschreibt, hält Canetti auf Distanz zur Dichtungstheorie, Germanisten sind ihm ohnehin ein Greul (Hanuschek 2005, 21). Die eigene große Belesenheit schlägt sich in vielfältigen, oft differenzierten Urteilen über andere Dichter und ihre Werke nieder (vgl. Reiss 2004), doch solche literaturkritischen und literarhistorischen Perspektiven und Interessen haben mit einer Poetik nur bedingt zu tun. Vor allem zwei Themenfelder lassen sich identifizieren: (1) Rolle und Aufgabe des Dichters; (2) Erfindung prägnanter Figuren mit unverwechselbaren Sprachphysiognomien.

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Poetik

  • Alexander Košenina

摘要

Elias Canetti ist ein Dichter ohne ausdrückliche Poetik. Aus Reden, Essays und Werken wie dem Ohrenzeugen ergibt sich aber dennoch eine Art von Programm. Wie sein großes Vorbild Georg Büchner, der seine poetischen Grundsätze lediglich dem Kunstgespräch im Lenz und wenigen Briefen oder Passagen in Dantons Tod implizit einschreibt, hält Canetti auf Distanz zur Dichtungstheorie, Germanisten sind ihm ohnehin ein Greul (Hanuschek 2005, 21). Die eigene große Belesenheit schlägt sich in vielfältigen, oft differenzierten Urteilen über andere Dichter und ihre Werke nieder (vgl. Reiss 2004), doch solche literaturkritischen und literarhistorischen Perspektiven und Interessen haben mit einer Poetik nur bedingt zu tun. Vor allem zwei Themenfelder lassen sich identifizieren: (1) Rolle und Aufgabe des Dichters; (2) Erfindung prägnanter Figuren mit unverwechselbaren Sprachphysiognomien.