1970 fragte ein Doktorand bei Elias Canetti an, ob er Einsicht in seine Korrespondenz mit Hermann Broch nehmen könne. Der Autor antwortete umgehend und erklärte, warum das nicht zu machen sei: „Es sind private und sehr schmerzliche Dinge darunter; es wäre ungefähr so, als wenn ich schon jetzt zu meinen Lebzeiten Einblick in meine Tagebücher gewähren würde. – Vielleicht werde ich einmal, wenn ich dazu komme, meine Beziehung zu Broch selbst genau schildern und dann einiges aus den Briefen zitieren“ (Br 398). Vierzehn Jahre später lag mit Das Augenspiel, dem dritten Band von Canettis Lebensgeschichte, die Schilderung über seine Freunde aus den 1930er-Jahren vor, aber aus seiner Korrespondenz mit Broch wurde dort nicht zitiert. Canetti erwähnt im Augenspiel wie er Broch kennenlernte. Das war im Herbst 1932 im Haus der Wiener Autorin Maria Lazar, wo er aus dem im gleichen Jahr fertiggestellten Drama Hochzeit las. Lazar hatte „Broch erzählt, wie sehr“ er „die ‚Schlafwandler‘ bewunderte“ (As 23). Canetti erinnerte sich:

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Hermann Broch

  • Paul Michael Lützeler

摘要

1970 fragte ein Doktorand bei Elias Canetti an, ob er Einsicht in seine Korrespondenz mit Hermann Broch nehmen könne. Der Autor antwortete umgehend und erklärte, warum das nicht zu machen sei: „Es sind private und sehr schmerzliche Dinge darunter; es wäre ungefähr so, als wenn ich schon jetzt zu meinen Lebzeiten Einblick in meine Tagebücher gewähren würde. – Vielleicht werde ich einmal, wenn ich dazu komme, meine Beziehung zu Broch selbst genau schildern und dann einiges aus den Briefen zitieren“ (Br 398). Vierzehn Jahre später lag mit Das Augenspiel, dem dritten Band von Canettis Lebensgeschichte, die Schilderung über seine Freunde aus den 1930er-Jahren vor, aber aus seiner Korrespondenz mit Broch wurde dort nicht zitiert. Canetti erwähnt im Augenspiel wie er Broch kennenlernte. Das war im Herbst 1932 im Haus der Wiener Autorin Maria Lazar, wo er aus dem im gleichen Jahr fertiggestellten Drama Hochzeit las. Lazar hatte „Broch erzählt, wie sehr“ er „die ‚Schlafwandler‘ bewunderte“ (As 23). Canetti erinnerte sich: