Schriften gegen den Tod
摘要
Der Tod und vor allem dessen Überwindung ist ein Lebensthema für Elias Canetti. Die Durchsicht der handschriftlichen Aufzeichnungen aus dem Nachlass verdeutlicht den prominenten Stellenwert seiner „poetische[n] Anti-Thanatologie“ (Friedrich 2008, 215): Rund ein Drittel der Notizen beschäftigen sich mit dem Aspekt „Tod“, deren Transkription umfasst alleine rund 2000 Seiten. Canetti setzt den Tod seiner Mutter 1937 als Zeitpunkt, seitdem er das Buch gegen den Tod ‚schuldig‘ ist (vgl. BT 220). Dieses Buch ist von Canetti, wenige Jahre nach dem Erscheinen von Die Blendung, zunächst als Romanprojekt unter dem Titel Todfeind intendiert. In der dialektischen Anlage des Buchprojekts trifft der Todfeind auf einen Zyniker, der für die Vergeblichkeit des Lebens argumentiert. Der Todfeind trägt Züge eines Paranoikers, da er nicht nur alles auf sich bezieht, sondern auch den Tod als Mord an sich wertet (vgl. Hanuschek 2005, 646). 1942, unter dem Eindruck des Krieges, verwirft er das Projekt und formuliert fortan seine Gedanken gegen den Tod in aphoristischer und (scheinbar) zufälliger Form. Dieses Totenbuch wird ihn Jahrzehnte beschäftigen; der betriebene Rechercheaufwand ist enorm. Noch 1980 wirft er sich vor, „daß das Buch gegen den Tod noch nicht besteht. Das wäre ein sehr starker, vielleicht ein vernichtender Vorwurf“ (BT 189). 1985 bezeichnet er Das Buch gegen den Tod als sein „eigentliches Buch“ (BT 245).