Die Programmatische Moderne tritt in den 1880er-Jahren zuerst im Medium der Literaturkritik in Erscheinung, um über polemische Sprechakte eine „Revolution der Literatur“ zu proklamieren und sich als Avantgardebewegung in Szene zu setzen. Zeitgenössische Beobachter identifizieren die Installation eines spezifischen Moderne-Bewusstseins mit einer „Renaissance der Kritik“, in deren Rahmen der Ruf nach einer „Kritik-Reform“ laut wird: Spätestens mit der von Hermann Bahr konstatierten „Überwindung des Naturalismus“ setzt ein metakritischer Diskurs ein, der den Autonomieanspruch der Kunst auf deren Kritik zu übertragen und den Status des „Critic as Artist“ (Oscar Wilde) zu etablieren versucht. Mit der fortschreitenden Ausdifferenzierung von journalistischem und literarischem Feld im Zeitalter der modernen Massenpresse sucht die Literaturkritik unter dem Zeichen der modernen Essayistik, der Neurezeption romantischer Konzepte und eines Aufblühens des kulturellen Zeitschriftenmarktes eine poetologisch reflektierte Position im literarischen Diskurs zu besetzen, die mit Alfred Kerrs selbstbewusster Behauptung einer vierten Gattung der Dichtung neben Epik, Lyrik und Dramatik ihren Höhepunkt findet.

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Die Moderne – Literaturkritik um 1900

  • Michael Pilz

摘要

Die Programmatische Moderne tritt in den 1880er-Jahren zuerst im Medium der Literaturkritik in Erscheinung, um über polemische Sprechakte eine „Revolution der Literatur“ zu proklamieren und sich als Avantgardebewegung in Szene zu setzen. Zeitgenössische Beobachter identifizieren die Installation eines spezifischen Moderne-Bewusstseins mit einer „Renaissance der Kritik“, in deren Rahmen der Ruf nach einer „Kritik-Reform“ laut wird: Spätestens mit der von Hermann Bahr konstatierten „Überwindung des Naturalismus“ setzt ein metakritischer Diskurs ein, der den Autonomieanspruch der Kunst auf deren Kritik zu übertragen und den Status des „Critic as Artist“ (Oscar Wilde) zu etablieren versucht. Mit der fortschreitenden Ausdifferenzierung von journalistischem und literarischem Feld im Zeitalter der modernen Massenpresse sucht die Literaturkritik unter dem Zeichen der modernen Essayistik, der Neurezeption romantischer Konzepte und eines Aufblühens des kulturellen Zeitschriftenmarktes eine poetologisch reflektierte Position im literarischen Diskurs zu besetzen, die mit Alfred Kerrs selbstbewusster Behauptung einer vierten Gattung der Dichtung neben Epik, Lyrik und Dramatik ihren Höhepunkt findet.