Um Literaturpreise nicht bloß als ehrenvolle Auszeichnungen, sondern als Schauplätze symbolischer Aushandlung zu verstehen, sollen diese unter Anwendung von Pierre Bourdieus Feldtheorie weniger als bloße Würdigung individueller Leistung gelesen denn als institutionelle Formationen kultureller Normsetzung verstanden werden: Sie wirken auf Kanonbildungen, prägen ästhetische Maßstäbe – und agieren dabei im Spannungsfeld zwischen symbolischem Prestige, kultureller Geltung und ökonomischer Verwertbarkeit. Historisch betrachtet – etwa mit Blick auf die weltweite Strahlkraft des Literaturnobelpreises – lassen sich Literaturpreise als Modelle kultureller Autorisierung lesen, die nicht nur Werke auszeichnen, sondern aktiv an der Konstitution von Kanones mitwirken. Funktional übernehmen sie unterschiedliche Aufgaben: Sie generieren Aufmerksamkeit, gratifizieren symbolisch wie ökonomisch, und sie konsekrieren – das heißt: sie heben Texte oder Autor*innen in den Rang des Legitimen, Bleibenden, Geltenden. Was das in der Praxis heißt, wird im letzten Teil exemplarisch gezeigt: Anhand einer SBERT-basierten Analyse der Laudationes auf die Preisträger*innen des Düsseldorfer Heine-Preises (1998–2024) wird untersucht, welche moralisch-politischen Narrative in den offiziellen Preisreden dominieren. Die Ergebnisse legen nahe, dass Preise nicht einfach symbolisches Kapital „vergeben“, sondern selbst als Produktionsinstanzen dieses Kapitals zu verstehen sind – Orte ideologischer Rahmung, kultureller Autorisierung und diskursiver Macht.

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Literaturpreise

  • Christoph auf der Horst

摘要

Um Literaturpreise nicht bloß als ehrenvolle Auszeichnungen, sondern als Schauplätze symbolischer Aushandlung zu verstehen, sollen diese unter Anwendung von Pierre Bourdieus Feldtheorie weniger als bloße Würdigung individueller Leistung gelesen denn als institutionelle Formationen kultureller Normsetzung verstanden werden: Sie wirken auf Kanonbildungen, prägen ästhetische Maßstäbe – und agieren dabei im Spannungsfeld zwischen symbolischem Prestige, kultureller Geltung und ökonomischer Verwertbarkeit. Historisch betrachtet – etwa mit Blick auf die weltweite Strahlkraft des Literaturnobelpreises – lassen sich Literaturpreise als Modelle kultureller Autorisierung lesen, die nicht nur Werke auszeichnen, sondern aktiv an der Konstitution von Kanones mitwirken. Funktional übernehmen sie unterschiedliche Aufgaben: Sie generieren Aufmerksamkeit, gratifizieren symbolisch wie ökonomisch, und sie konsekrieren – das heißt: sie heben Texte oder Autor*innen in den Rang des Legitimen, Bleibenden, Geltenden. Was das in der Praxis heißt, wird im letzten Teil exemplarisch gezeigt: Anhand einer SBERT-basierten Analyse der Laudationes auf die Preisträger*innen des Düsseldorfer Heine-Preises (1998–2024) wird untersucht, welche moralisch-politischen Narrative in den offiziellen Preisreden dominieren. Die Ergebnisse legen nahe, dass Preise nicht einfach symbolisches Kapital „vergeben“, sondern selbst als Produktionsinstanzen dieses Kapitals zu verstehen sind – Orte ideologischer Rahmung, kultureller Autorisierung und diskursiver Macht.