Was ist, kann und soll Literaturkritik?
摘要
Dieser Text untersucht die Definition, Funktion und Norm der Literaturkritik. Es wird dargelegt, dass eine eindeutige Bestimmung komplex ist, da Literaturkritik ein historisch gewachsenes und soziokulturell vielfältiges Feld darstellt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts äußert sich ein weit verbreitetes Unbehagen an gängigen Formen der Literaturkritik, das zur Entstehung der Bewegung der „Postcritique“ führte. Wesentliche Impulse für diese Entwicklung lieferten Roland Barthes, Susan Sontag und Paul Ricœur, die traditionelle Interpretationsmodelle infrage stellten und alternative Betrachtungsweisen vorschlugen. Der Text stellt verschiedene postkritische Ansätze vor, darunter Hans Ulrich Gumbrechts Konzept der Präsenz, die Akteur-Netzwerk-Theorie nach Bruno Latour, Theorien des Affective Turn und des reparative reading, surface reading sowie distant reading nach Franco Moretti. Des Weiteren werden Kritikpunkte an der Postcritique und Konzepte wie Appreciation diskutiert. Insgesamt bietet der Beitrag einen Überblick über die zentralen Debatten und die Bandbreite theoretischer und methodischer Neuansätze in der aktuellen Literaturkritik.