„Ungerechtigkeit“ und ihr Antonym „Gerechtigkeit“ sind Grundbegriffe der Praktischen Philosophie, die häufig uneinheitlich verwendet werden. So können sie zum einen als Merkmal von Personen und ihren Handlungen, zum anderen als Merkmal von Gesellschaften einschließlich ihrer Institutionen verstanden werden. Damit erweisen sich Ungerechtigkeit und Gerechtigkeit sowohl in der Ethik als auch in der politischen Philosophie als wichtige Konzepte. In den letzten Jahrzehnten hat in der anglofonen, tendenziell analytischen philosophischen Debatte eine Verschiebung der Aufmerksamkeit stattgefunden: weg von Versuchen einer positiven aber abstrakten Bestimmung von Gerechtigkeit als „idealer Theorie“ und hin zur Diskussion „nicht-idealer“ Ansätze, die von tatsächlich bestehenden Ungerechtigkeiten ihren Ausgang nehmen. Damit rückt die kritische Auseinandersetzung mit den zuvor vernachlässigten vielfältigen Erscheinungsformen von – struktureller, historischer, politischer, sozialer und individueller – Ungerechtigkeit und Diskriminierung ins Zentrum der Diskussionen, so etwa in den Bereichen Geschlecht, Rassismus, Klima, Reichtum und Armut, Gesundheit und Bildung.

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Ungerechtigkeit

  • Jan-Christoph Heilinger

摘要

„Ungerechtigkeit“ und ihr Antonym „Gerechtigkeit“ sind Grundbegriffe der Praktischen Philosophie, die häufig uneinheitlich verwendet werden. So können sie zum einen als Merkmal von Personen und ihren Handlungen, zum anderen als Merkmal von Gesellschaften einschließlich ihrer Institutionen verstanden werden. Damit erweisen sich Ungerechtigkeit und Gerechtigkeit sowohl in der Ethik als auch in der politischen Philosophie als wichtige Konzepte. In den letzten Jahrzehnten hat in der anglofonen, tendenziell analytischen philosophischen Debatte eine Verschiebung der Aufmerksamkeit stattgefunden: weg von Versuchen einer positiven aber abstrakten Bestimmung von Gerechtigkeit als „idealer Theorie“ und hin zur Diskussion „nicht-idealer“ Ansätze, die von tatsächlich bestehenden Ungerechtigkeiten ihren Ausgang nehmen. Damit rückt die kritische Auseinandersetzung mit den zuvor vernachlässigten vielfältigen Erscheinungsformen von – struktureller, historischer, politischer, sozialer und individueller – Ungerechtigkeit und Diskriminierung ins Zentrum der Diskussionen, so etwa in den Bereichen Geschlecht, Rassismus, Klima, Reichtum und Armut, Gesundheit und Bildung.