Vernunft
摘要
In einer kurzen, aber bedeutsamen Schrift aus dem Jahr 1929 sagt Whitehead: „The function of Reason is to promote the art of life“ (FR, 4/ FRd, 9). Es ist offensichtlich, dass Whitehead, indem er der Vernunft eine Funktion innerhalb des Lebens zuspricht, seine Philosophie in das Fahrwasser des ‚Pragmatismus‘ und der ‚Lebensphilosophie‘ einordnet. Denn die großen amerikanischen Pragmatisten, wie William James, Charles Sanders Peirce und John Dewey, beabsichtigten, die Kluft zwischen dem Leben einerseits und dem Handeln, Verstehen und Denken andererseits zu überbrücken. Trotzdem hat sich Whitehead sowohl vom Pragmatismus als auch von der Lebensphilosophie höflich – wie es seiner Art entsprach – abgesetzt: „Auch Henri Bergson, William James und John Dewey“, so Whitehead, „bin ich sehr verpflichtet. Es war eine meine Bestrebungen, ihr Denken vor der Vereinnahmung durch den Antiintellektualismus zu bewahren, der – zu Recht oder zu Unrecht – damit in Verbindung gebracht wurde“ (PRd, 23 f./ PR, vii). Whitehead wollte jedoch „eine neue Idee der Vernunft“ (Marcuse 1970, 239) entwickeln. So ordnete er in SMW seine Neufassung des Vernunftbegriffes in ein von ihm angestrebtes, umfassendes Programm ein, das er bereits 1925 als ‚ästhetische Erweiterung‘ (SMWd, 231 f.) charakterisiert hatte. Kunst ist in der allgemeinen Form, in der Whitehead diesen Begriff verwendet, „jede Auswahl, durch die konkrete Tatsachen so angeordnet werden, dass die Aufmerksamkeit auf besondere Werte gerichtet wird, die durch sie realisierbar sind“ (SMWd, 232). Demokratie und zivilisierte Lebensformen können damit als höchster Ausdruck der Kunst des Lebens verstanden werden (vgl. MT, Kap II.6).