Whiteheads eigenwillige philosophische Ausbildung durch Freunde und Kollegen bringt es mit sich, dass direkte Einflüsse auf seine Philosophie nur schwer zu verfolgen oder zu belegen sind. Whiteheads Sprache und vor allem seine kreativen Wortschöpfungen machen den Versuch, Einflusslinien zu erkennen, nur noch komplexer. Dies gilt auch für die Frage nach Henri Bergsons (1859–1941) Einfluss auf Whiteheads Denken. (Lowe 1949) Dass ein solcher Einfluss besteht, ist unbestritten, bezieht sich doch Whitehead des Öfteren auf Bergsons Denken. In dem Vorwort zu An Enquiry Concerning the Principles of Natural Knowledge (PNK) bemerkt Whitehead z. B., dass Bergsons Philosophie bei den Treffen der Aristotelian Society in London diskutiert wurde und bezieht sich gegen Ende dieses Buches auf Bergsons Idee des élan vital (Lebensschwung). In The Concept of Nature (CN) erklärt Whitehead sein Denken, was die kreative prozessuale Entwicklung der Wirklichkeit betrifft, als völlig mit Bergsons übereinstimmend („in full accord“; CN, Kap. 3). In seiner Einleitung zu Process and Reality (PR) geht Whitehead weiter und beschreibt eine allgemeine Verbundenheit zu Bergsons Denken, und er macht explizit, dass es einer seiner Ziele ist, die Vereinnahmung von Bergsons Denken (wie auch das Denken von James und Dewey) durch den Anti-Intellektualismus zu verhindern (PRd, 23/ PR, xii). Sowohl in Adventures of Ideas (AI) als auch in Science and the Modern World (SMW) wird Bergson stellenweise erwähnt. Diese Erwähnungen dienen hauptsächlich dazu, Whiteheads Denken gegenüber Bergsons zu positionieren und dazu sich von dem anti-intellektualistischen Aspekt in Bergsons Denken zu distanzieren (AI, 287; SMW, 50) Außerdem erwähnt Whitehead in diversen Werken zentrale Konzepte Bergsons, wie ‚Intuition‘ oder ‚Verräumlichung‘.

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Henri Bergson

  • Tina Röck

摘要

Whiteheads eigenwillige philosophische Ausbildung durch Freunde und Kollegen bringt es mit sich, dass direkte Einflüsse auf seine Philosophie nur schwer zu verfolgen oder zu belegen sind. Whiteheads Sprache und vor allem seine kreativen Wortschöpfungen machen den Versuch, Einflusslinien zu erkennen, nur noch komplexer. Dies gilt auch für die Frage nach Henri Bergsons (1859–1941) Einfluss auf Whiteheads Denken. (Lowe 1949) Dass ein solcher Einfluss besteht, ist unbestritten, bezieht sich doch Whitehead des Öfteren auf Bergsons Denken. In dem Vorwort zu An Enquiry Concerning the Principles of Natural Knowledge (PNK) bemerkt Whitehead z. B., dass Bergsons Philosophie bei den Treffen der Aristotelian Society in London diskutiert wurde und bezieht sich gegen Ende dieses Buches auf Bergsons Idee des élan vital (Lebensschwung). In The Concept of Nature (CN) erklärt Whitehead sein Denken, was die kreative prozessuale Entwicklung der Wirklichkeit betrifft, als völlig mit Bergsons übereinstimmend („in full accord“; CN, Kap. 3). In seiner Einleitung zu Process and Reality (PR) geht Whitehead weiter und beschreibt eine allgemeine Verbundenheit zu Bergsons Denken, und er macht explizit, dass es einer seiner Ziele ist, die Vereinnahmung von Bergsons Denken (wie auch das Denken von James und Dewey) durch den Anti-Intellektualismus zu verhindern (PRd, 23/ PR, xii). Sowohl in Adventures of Ideas (AI) als auch in Science and the Modern World (SMW) wird Bergson stellenweise erwähnt. Diese Erwähnungen dienen hauptsächlich dazu, Whiteheads Denken gegenüber Bergsons zu positionieren und dazu sich von dem anti-intellektualistischen Aspekt in Bergsons Denken zu distanzieren (AI, 287; SMW, 50) Außerdem erwähnt Whitehead in diversen Werken zentrale Konzepte Bergsons, wie ‚Intuition‘ oder ‚Verräumlichung‘.