Baruch Spinoza
摘要
Baruch de Spinozas (1632–1677) frühe Arbeiten lassen eine cartesianische Stoßrichtung erkennen. Zu Lebzeiten veröffentlicht er unter seinem Namen nur ein einziges Buch, das den Cartesianismus in wenn auch modifizierter Weise lehrt. Der Autor tritt hinter seinen Gegenstand wie auch hinter die Lehren der Scholastik weitgehend zurück (Spinoza 1999). Auf den Spuren seines Vorgängers ist es ihm um die Unterscheidung der Ideen, die der Mensch in sich vorfindet, von zweifelhaften, fiktiven und falschen Ideen zu tun. Die wahre Idee muss allerdings nicht cartesisch-meditativ über ein Procedere immer radikaleren Zweifelns erschlossen werden, sondern liegt bereits vor. Es geht nicht um die Auswahl einer richtigen Methode des Denkens, sondern um die der richtigen Gedanken. Die wahre Idee impliziert, wenn man sie hat, zugleich das Wissen um ihre eigene Wahrheit (Spinoza 2003). In seinem Hauptwerk Ethica more geometrico demonstrata verschiebt der Verfasser den Fokus von der wahren Idee, die das Ich hat, auf die Konstitution einer göttlichen Substanz, die sich aus unendlich vielen Attributen, von denen das Denken nur eines ist, zusammensetzt. Damit ist der egologische Ansatz des Cartesianismus überwunden. Er bettet die Hauptthemen des Cartesianismus in einen weiteren Rahmen ein, der Ontologie, Erkenntnistheorie, Anthropologie, Moralphilosophie und Theologie umfasst (Spinoza 2007). Ontologisch fügt er den Dualismus von Ausdehnung und Denken, dem sein Vorgänger René Descartes verhaftet blieb, in seiner allgemeinen Seinslehre in einen Monismus der Substanz ein, der die Sphären der res extensa und res cogitans als Attribute, alle weiteren, weniger allgemeinen Eigenschaften wie endliche Körper oder Ideen, aber auch Affekte, Leidenschaften, Passionen und Gefühle als Modifikationen dieser Attribute vereint. Bereits die aristotelische Tradition legt eine Verknüpfung von Substanz, Attribut und Modus nahe. So denken wir, wenn wir an irgendetwas denken, an irgendein Ding, d. h. an eine Substanz. Genauso wie ein Ding nicht gedacht werden kann, ohne dass es in irgendeiner Art und Weise gedacht wird, d. h. als Qualitäten, Eigenschaften oder sonstige Charakteristika bzw. Modifikationen enthaltend. Die Substanz kann daher als in-sich-seiend definiert werden, wohingegen die Modi in einem anderen sind, als dessen Modifikationen sie gedacht werden. Von den Attributen unterscheiden sich die Modi wie die weniger allgemeinen von den allgemeineren Eigenschaften (Viljanen 2009, 56–62).