René Descartes
摘要
René Descartes (1596–1650) gilt gemeinhin als Begründer der neuzeitlichen Philosophie. Die cartesianische Grundidee besteht darin, das ‚Ich‘ zum Ausgangspunkt einer Ermittlung des Verhältnisses von Ich, Welt und Gott zu machen. Von der Welt lassen sich Erkenntnisse gewinnen, die sich dadurch auszeichnen, unzweifelhaft wahr (evident) zu sein. Gott fungiert als Garant der Vermittlung von Ich und Welt. Die Ideen, die das Ich in sich vorfindet und zu denen auch die Idee Gottes gehört, stehen am Anfang der philosophischen Meditation, die darum eine egologische ist. Das Cogito lichtet den „Wald aller jener Gedanken, die der Mensch in sich hat […, so dass] nur dasjenige übriggelassen wird, was das Ich ohne die Welt, um deren Erkenntnis es ja zu tun ist, in sich findet. Diese Idee ist Gott“ (Wohlers 2005, LIII). An der Genese des cartesianischen Rationalismus im Kopf ihres Begründers scheiden sich die Interpretationen. In Frage steht, ob den mathematisch-naturwissenschaftlichen oder metaphysischen Interessen Descartes der Vorrang zukommt. Im Spätwerk versichert Descartes sich der Idee Gottes als des Fundamentes, von dem alles Weitere abhängt, wozu neben den Kenntnissen der Erfahrung logische, mathematische und naturwissenschaftliche Wissensbestände gehören (Gerten 2001, 12–21 & 353–391). Systematische Folgerungen betreffen den Dualismus von ausgedehnter und denkender Substanz, das All als unendlich extensives Kontinuum, Gott als dem All äußerlicher Beweger und die Korpuskulartheorie der Materie. Weiterhin desavouiert die cartesische Physik die Fernwirkung, der die Mechanik von Druck und Stoß entgegengesetzt wird. Physiologisch und psychologisch entwickelt der französische Rationalist das Bild natürlicher Automaten, denen jedes Beseeltsein, sei es vegetativ, sei es sinnlich, fremd ist; er rekonstruiert das menschliche Gefühlsleben auf neuartige Weise, wenn er betont, dass das Bewusstsein weniger die äußere Umwelt abbildet als vielmehr das Innenleben des Leibautomaten symbolisiert (Specht 1971, 969).