Das 1933 erstmals veröffentlichte Buch Abenteuer der Ideen stellt das zweitumfangreichste Werk aus Whiteheads später Schaffensphase dar. Die einzelnen Teile und Kapitel des Buches gehen auf unterschiedliche Vorträge und Vorlesungen zurück, die zwischen Ende 1929 und März 1932 gehalten wurden und zumeist nicht vorab als Einzelpublikationen erschienen waren. Der Charakter einer nachträglichen Kompilation ist Abenteuer der Ideen, anders als früheren Monographien, stellenweise deutlich anzumerken. Als zentrales kulturphilosophisches Werk Whiteheads kommt ihm gleichwohl eine wichtige systematische Bedeutung im Gesamtwerk zu. Gemeinsam mit Wissenschaft und moderne Welt sowie Prozeß und Realität bildet es eine Trias; jedes einzelne Buch könne zwar für sich gelesen werden, so Whiteheads eigene Anmerkung, doch sie würden einander ergänzen und ihre jeweiligen Einseitigkeiten ausgleichen (vgl. AId, 75/ AI, vii). Gemeinsam ist allen drei Schriften das Anliegen, eine metaphysische Auffassung anhand eines Überblicks über die historische und zivilisatorische Vielfalt menschlichen Erlebens und Erfahrens zu illustrieren und zu prüfen. Wissenschaft und moderne Welt rekonstruiert die metaphysischen Voraussetzungen, die den wissenschaftlichen Theorien unterschiedlicher historischer Epochen zugrunde liegen, Prozeß und Realität entwirft eine organismische Kosmologie, die den Erkenntnisfortschritten in Physik und Biologie Rechnung tragen soll, während Abenteuer der Ideen die umfassende Gültigkeit dieser Kosmologie anhand ihrer Anwendung auf die Geschichte der westlichen Zivilisation überprüft und sie damit zugleich historisch kontextualisiert (vgl. Sölch 2010, 52). Zugleich dokumentiert der Text nicht nur Whiteheads lebenslanges Interesse an monumentalen Geschichtswerken wie Edward Gibbons Verfall und Untergang des Römischen Imperiums oder Henry Osborn Taylors The Mediaeval Mind, sondern auch seinen Blick für den Zusammenhang von einzelnen Ereignissen und übergreifenden Entwicklungen sowie sein profundes und weitgefächertes „historisches Wissen“ (Russell 1972, 195), wie es ihm etwa Bertrand Russell attestiert.

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Adventures of Ideas (1933)

  • Dennis Sölch

摘要

Das 1933 erstmals veröffentlichte Buch Abenteuer der Ideen stellt das zweitumfangreichste Werk aus Whiteheads später Schaffensphase dar. Die einzelnen Teile und Kapitel des Buches gehen auf unterschiedliche Vorträge und Vorlesungen zurück, die zwischen Ende 1929 und März 1932 gehalten wurden und zumeist nicht vorab als Einzelpublikationen erschienen waren. Der Charakter einer nachträglichen Kompilation ist Abenteuer der Ideen, anders als früheren Monographien, stellenweise deutlich anzumerken. Als zentrales kulturphilosophisches Werk Whiteheads kommt ihm gleichwohl eine wichtige systematische Bedeutung im Gesamtwerk zu. Gemeinsam mit Wissenschaft und moderne Welt sowie Prozeß und Realität bildet es eine Trias; jedes einzelne Buch könne zwar für sich gelesen werden, so Whiteheads eigene Anmerkung, doch sie würden einander ergänzen und ihre jeweiligen Einseitigkeiten ausgleichen (vgl. AId, 75/ AI, vii). Gemeinsam ist allen drei Schriften das Anliegen, eine metaphysische Auffassung anhand eines Überblicks über die historische und zivilisatorische Vielfalt menschlichen Erlebens und Erfahrens zu illustrieren und zu prüfen. Wissenschaft und moderne Welt rekonstruiert die metaphysischen Voraussetzungen, die den wissenschaftlichen Theorien unterschiedlicher historischer Epochen zugrunde liegen, Prozeß und Realität entwirft eine organismische Kosmologie, die den Erkenntnisfortschritten in Physik und Biologie Rechnung tragen soll, während Abenteuer der Ideen die umfassende Gültigkeit dieser Kosmologie anhand ihrer Anwendung auf die Geschichte der westlichen Zivilisation überprüft und sie damit zugleich historisch kontextualisiert (vgl. Sölch 2010, 52). Zugleich dokumentiert der Text nicht nur Whiteheads lebenslanges Interesse an monumentalen Geschichtswerken wie Edward Gibbons Verfall und Untergang des Römischen Imperiums oder Henry Osborn Taylors The Mediaeval Mind, sondern auch seinen Blick für den Zusammenhang von einzelnen Ereignissen und übergreifenden Entwicklungen sowie sein profundes und weitgefächertes „historisches Wissen“ (Russell 1972, 195), wie es ihm etwa Bertrand Russell attestiert.