Für zahlreiche Schriftsteller zwischen Gründerzeit und Weimarer Republik stellte die Zugehörigkeit zu Gruppen, literarisch-kulturellen Vereinen und Kreisen (vgl. Wülfing/Bruns/Parr 1998) sowie zu berufsständischen Zusammenschlüssen (vgl. Parr 2008, 43–58) ein wichtiges Element ihrer Vergesellschaftung und Professionalisierung dar. Ein Grund dafür ist darin zu sehen, dass die Rolle ‚Autor/Autorin‘ in sozialer Hinsicht „mit hohem ‚Grad der Ich-Leistung‘ und ‚hohem Grad der Identifikation‘“ mit dem eigenen literarischen Schaffen, „aber ‚nur geringen Verhaltens- u. Erwartungssicherheiten‘ in Bezug auf Arbeitsweise, -zeit, -ort“ und nicht zuletzt hinsichtlich des zu erwartenden Einkommens verbunden ist. Kompensatorisch zu diesen Unsicherheiten erfolgt daher die „Vergesellschaftung“ von Schriftstellern bevorzugt „in Form multipler sozialer Netzwerke“, wie sie „Freundschaften, literarische Salons, Kaffeehäuser, Bünde, Kreise, nichtformelle u. formelle Gruppen, Vereine u. Verbände“ (Jäger 1992, 70) darstellen. Daraus ergibt sich allerdings auch das kaum aufzulösende Paradox, dass der „Zusammenschluss von Schriftstellern in multiplen Netzwerken“ auf der einen Seite „geradezu als Effekt ihrer hochgradig individuellen Tätigkeit zu verstehen“ ist, auf der anderen Seite das Konzept des individuellen, singuläre Werke schaffenden und damit in deutlicher Abgrenzung zu anderen stehenden literarischen Autors jedoch in mehr als nur latentem Widerspruch zur Bildung von Gemeinschaften steht (vgl. Parr 2008, 101 f.).

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Freunde, Förderer, Vernetzung

  • Rolf Parr

摘要

Für zahlreiche Schriftsteller zwischen Gründerzeit und Weimarer Republik stellte die Zugehörigkeit zu Gruppen, literarisch-kulturellen Vereinen und Kreisen (vgl. Wülfing/Bruns/Parr 1998) sowie zu berufsständischen Zusammenschlüssen (vgl. Parr 2008, 43–58) ein wichtiges Element ihrer Vergesellschaftung und Professionalisierung dar. Ein Grund dafür ist darin zu sehen, dass die Rolle ‚Autor/Autorin‘ in sozialer Hinsicht „mit hohem ‚Grad der Ich-Leistung‘ und ‚hohem Grad der Identifikation‘“ mit dem eigenen literarischen Schaffen, „aber ‚nur geringen Verhaltens- u. Erwartungssicherheiten‘ in Bezug auf Arbeitsweise, -zeit, -ort“ und nicht zuletzt hinsichtlich des zu erwartenden Einkommens verbunden ist. Kompensatorisch zu diesen Unsicherheiten erfolgt daher die „Vergesellschaftung“ von Schriftstellern bevorzugt „in Form multipler sozialer Netzwerke“, wie sie „Freundschaften, literarische Salons, Kaffeehäuser, Bünde, Kreise, nichtformelle u. formelle Gruppen, Vereine u. Verbände“ (Jäger 1992, 70) darstellen. Daraus ergibt sich allerdings auch das kaum aufzulösende Paradox, dass der „Zusammenschluss von Schriftstellern in multiplen Netzwerken“ auf der einen Seite „geradezu als Effekt ihrer hochgradig individuellen Tätigkeit zu verstehen“ ist, auf der anderen Seite das Konzept des individuellen, singuläre Werke schaffenden und damit in deutlicher Abgrenzung zu anderen stehenden literarischen Autors jedoch in mehr als nur latentem Widerspruch zur Bildung von Gemeinschaften steht (vgl. Parr 2008, 101 f.).