Film, Kino, Unterhaltung
摘要
Hesses weitgehend skeptische bis ablehnende Haltung den neuen audiovisuellen Medien gegenüber ist zwar, insbesondere beim Film, relativ markant und auch hinsichtlich der späteren Entwicklung eher unbeugsam bis dogmatisch, doch insgesamt durchaus charakteristisch für einen Großteil der europäischen Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts. Auch bei Autoren wie Thomas Mann, Joseph Roth, Maxim Gorki oder Paul Valéry und Philippe Soupault, die ansonsten gerne und häufig ins Kino gingen, ja teilweise durchaus als passionierte Kinogänger bezeichnet werden können, sind kulturkonservative Vorbehalte dem Medium Film gegenüber bzw. dem Kino als populärer Institution im urbanen Raum äußerst verbreitet. In zahlreichen Romanen, Erzählungen und Essays werden die psychischen, sozialen und kulturgeschichtlichen Gefahren, die von den verführerischen Illusionen des Kinos, den Trugbildern der ‚Schattenwelt‘ ausgehen, in oft polemischer oder drastisch kolportagehafter bis satirisch überspitzer Weise dargestellt und ausphantasiert. Entsprechende Passagen finden sich u. a. in Werken von Arnolt Bronnen, Louis-Ferdinand Céline, Heinrich Eduard Jacob, Thomas Mann, Mynona, Luigi Pirandello, Joseph Roth oder Franz Carl Weiskopf. In einem Essay von 1928 mit dem Titel Über den Film kritisiert Thomas Mann, durchaus analog zu seinen legendären medienkritischen Einlassungen in Der Zauberberg (1924), die „krud sensationellen“ Effekte von Filmvorführungen und den damit einhergehenden Verlust der „geistigen Wirkungen der Kunst“ (Mann 1990, 899).