Vom Theater verstehe er nichts, behauptet Hesse gern von sich, gepaart mit gängigen Topoi der Antitheatralität: Man brauche wohl „ein gewisses keckes Drauflos“, gehe es im Theater doch „überhaupt massiver und gröber zu als beim übrigen Dichten“ (Hermann Sudermann, Das hohe Lied (1909); 16, 351). Setzt man sich mit den medialen Dimensionen und der Beziehung zwischen den Künsten in Hesses Werk auseinander, stößt man mit Blick auf das Theater zunächst auf Hesses Vorbehalte, ja Aversionen: Der junge Hesse, im Zeichen des Pietismus des Elternhauses, beklagt an der naturalistisch-psychologischen Dramatik der Jahrhundertwende die „kranke[] Lust am Schmutzwühlen und Sezieren“ (Hermann Hesse an Karl Isenberg, 10.12.1895; Hesse 1973, 8). Und noch im hohen Alter resümiert Hesse: „[Z]um Theater habe ich ja überhaupt nie eine Beziehung gehabt, die Oper ausgenommen“ (Hermann Hesse an Wilhelm Gundert, Anfang April 1951; Hesse 1974, 376). Entsprechend überschaubar ist die Forschungsliteratur: Mit Peter Hubers Hermann Hesse und das Theater (1991) liegt eine Monografie vor, die sich unter drei Gesichtspunkten mit dieser Beziehung, mit Hesses „augenscheinliche[r] Haßliebe zum Theater“ (Huber 1991, 6), beschäftigt: mit den damals noch größtenteils unveröffentlichten Dramen aus dem Nachlass, mit einer historischen und theoretischen Einordnung ausgewählter Aspekte des Theaterverständnisses und mit der Rolle des erzählten Theaters in der Prosa.

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Theater

  • Sophie Witt

摘要

Vom Theater verstehe er nichts, behauptet Hesse gern von sich, gepaart mit gängigen Topoi der Antitheatralität: Man brauche wohl „ein gewisses keckes Drauflos“, gehe es im Theater doch „überhaupt massiver und gröber zu als beim übrigen Dichten“ (Hermann Sudermann, Das hohe Lied (1909); 16, 351). Setzt man sich mit den medialen Dimensionen und der Beziehung zwischen den Künsten in Hesses Werk auseinander, stößt man mit Blick auf das Theater zunächst auf Hesses Vorbehalte, ja Aversionen: Der junge Hesse, im Zeichen des Pietismus des Elternhauses, beklagt an der naturalistisch-psychologischen Dramatik der Jahrhundertwende die „kranke[] Lust am Schmutzwühlen und Sezieren“ (Hermann Hesse an Karl Isenberg, 10.12.1895; Hesse 1973, 8). Und noch im hohen Alter resümiert Hesse: „[Z]um Theater habe ich ja überhaupt nie eine Beziehung gehabt, die Oper ausgenommen“ (Hermann Hesse an Wilhelm Gundert, Anfang April 1951; Hesse 1974, 376). Entsprechend überschaubar ist die Forschungsliteratur: Mit Peter Hubers Hermann Hesse und das Theater (1991) liegt eine Monografie vor, die sich unter drei Gesichtspunkten mit dieser Beziehung, mit Hesses „augenscheinliche[r] Haßliebe zum Theater“ (Huber 1991, 6), beschäftigt: mit den damals noch größtenteils unveröffentlichten Dramen aus dem Nachlass, mit einer historischen und theoretischen Einordnung ausgewählter Aspekte des Theaterverständnisses und mit der Rolle des erzählten Theaters in der Prosa.