Die Bedeutung von Bach, Mozart und anderen Komponisten des 16., 17. und 18. Jahrhunderts für das Werk Hermann Hesses ist nicht ohne Rückgriff auf das ideengeschichtliche Konzept der Alten Musik zu verstehen, das sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts herausgebildet hat (vgl. Gutknecht 1994, 956 f.). Es äußert sich zum einen in den Anfängen der historischen Aufführungspraxis, zum anderen in einer kulturphilosophischen Diskussion, die durch Nietzsches Wagner-Kritik angestoßen wurde. An der Herausbildung einer „geschichtstheoretischen Kategorie“ (Dahlhaus 1987, 18) der Alten Musik war auch Hesse beteiligt (vgl. Rose 2013). Die Alte Musik wird dabei nicht nur dem klassisch-romantischen Kunstparadigma entgegengesetzt, sondern gewinnt mehr und mehr eine Spiegelbildfunktion für die kulturelle Moderne selbst (vgl. Hinton 1987). Auch wenn die „Entdeckung“ der Frühen Neuzeit (vgl. Lepper 2007), also des Zeitraums von 1500 bis 1800, in Literatur, Kunst und Musik weitgehend parallel verläuft, fungiert die Musik als exemplarisches Feld der Auseinandersetzungen; und das nicht zuletzt deshalb, weil sie durch die Aufführungspraxis historischer Werke im zeitgenössischen Kulturbetrieb präsent bleibt.

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Musikalische Bezüge und Formtransfers I: Bach, Mozart, Kirchenmusik

  • Dirk Rose

摘要

Die Bedeutung von Bach, Mozart und anderen Komponisten des 16., 17. und 18. Jahrhunderts für das Werk Hermann Hesses ist nicht ohne Rückgriff auf das ideengeschichtliche Konzept der Alten Musik zu verstehen, das sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts herausgebildet hat (vgl. Gutknecht 1994, 956 f.). Es äußert sich zum einen in den Anfängen der historischen Aufführungspraxis, zum anderen in einer kulturphilosophischen Diskussion, die durch Nietzsches Wagner-Kritik angestoßen wurde. An der Herausbildung einer „geschichtstheoretischen Kategorie“ (Dahlhaus 1987, 18) der Alten Musik war auch Hesse beteiligt (vgl. Rose 2013). Die Alte Musik wird dabei nicht nur dem klassisch-romantischen Kunstparadigma entgegengesetzt, sondern gewinnt mehr und mehr eine Spiegelbildfunktion für die kulturelle Moderne selbst (vgl. Hinton 1987). Auch wenn die „Entdeckung“ der Frühen Neuzeit (vgl. Lepper 2007), also des Zeitraums von 1500 bis 1800, in Literatur, Kunst und Musik weitgehend parallel verläuft, fungiert die Musik als exemplarisches Feld der Auseinandersetzungen; und das nicht zuletzt deshalb, weil sie durch die Aufführungspraxis historischer Werke im zeitgenössischen Kulturbetrieb präsent bleibt.