Trotz anfänglicher Beteuerungen beider Korrespondenzpartner, „kein Briefschreiber“ (Hermann Hesse an Stefan Zweig, 5.2.1903; BW Hesse/Zweig 2006, 13) oder zumindest „kein zuverlässiger Briefschreiber“ (Stefan Zweig an Hermann Hesse, 2.2.1903; BW Hesse/Zweig 2006, 10) zu sein, erstreckt sich der Briefwechsel von Hesse und Stefan Zweig auf die Jahre 1903 bis 1938. Strukturiert wird er durch historische Begebenheiten, sowohl persönlicher als weltpolitischer Natur, die eine Einteilung in vier Phasen erlauben. Die erste umfasst die Jahre 1903 bis 1905, in denen sich beide Briefpartner in einer ähnlichen Lage befinden, zumindest in künstlerischer Hinsicht: Sowohl Hesse als auch Zweig können bereits erste Veröffentlichungen vorweisen und sind dabei, sich als Schriftsteller zu konsolidieren. Hierzu trägt nicht zuletzt auch die Fremd- und Eigenanalyse des brieflichen Austausches wesentlich bei. Daneben wird Privates dokumentiert, wobei die persönlichen Lebensentwürfe (vgl. hierzu Wassmer 2013, 334; Michels 2015, 34) weniger ähnlich sind als die literarische Ausgangssituation. Während Hesse vorwiegend die Beziehung zu Maria (Mia) Bernoulli, seine Hochzeit und Familiengründung thematisiert (vgl. BW Hesse/Zweig 2006, 21; 43; 56), steht bei Zweig das ungeliebte Promotionsstudium im Vordergrund, das er seinen Eltern zuliebe absolviert und über das er wiederholt klagt (vgl. 1.11.1903; BW Hesse/Zweig 2006, 24; Michels 2015, 36). Obwohl oder gerade weil in dieser Zeit das Verhältnis lediglich eine intensive Brieffreundschaft ist, die bis zum Juni 1905 ohne persönliche Begegnung bleibt, ist diese Etappe die vertrauteste, engste und zugleich engmaschigste, in der wichtige Grundlagen gelegt werden, auf die sich beide Korrespondenzpartner auch später immer wieder beziehen. Anders gesagt: Es werden in dieser Etappe bereits alle wesentlichen Themen angesprochen, die bis 1938 in unterschiedlicher Intensität eine Rolle spielen.

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Hesses Briefwechsel mit Stefan Zweig

  • Antonie Magen

摘要

Trotz anfänglicher Beteuerungen beider Korrespondenzpartner, „kein Briefschreiber“ (Hermann Hesse an Stefan Zweig, 5.2.1903; BW Hesse/Zweig 2006, 13) oder zumindest „kein zuverlässiger Briefschreiber“ (Stefan Zweig an Hermann Hesse, 2.2.1903; BW Hesse/Zweig 2006, 10) zu sein, erstreckt sich der Briefwechsel von Hesse und Stefan Zweig auf die Jahre 1903 bis 1938. Strukturiert wird er durch historische Begebenheiten, sowohl persönlicher als weltpolitischer Natur, die eine Einteilung in vier Phasen erlauben. Die erste umfasst die Jahre 1903 bis 1905, in denen sich beide Briefpartner in einer ähnlichen Lage befinden, zumindest in künstlerischer Hinsicht: Sowohl Hesse als auch Zweig können bereits erste Veröffentlichungen vorweisen und sind dabei, sich als Schriftsteller zu konsolidieren. Hierzu trägt nicht zuletzt auch die Fremd- und Eigenanalyse des brieflichen Austausches wesentlich bei. Daneben wird Privates dokumentiert, wobei die persönlichen Lebensentwürfe (vgl. hierzu Wassmer 2013, 334; Michels 2015, 34) weniger ähnlich sind als die literarische Ausgangssituation. Während Hesse vorwiegend die Beziehung zu Maria (Mia) Bernoulli, seine Hochzeit und Familiengründung thematisiert (vgl. BW Hesse/Zweig 2006, 21; 43; 56), steht bei Zweig das ungeliebte Promotionsstudium im Vordergrund, das er seinen Eltern zuliebe absolviert und über das er wiederholt klagt (vgl. 1.11.1903; BW Hesse/Zweig 2006, 24; Michels 2015, 36). Obwohl oder gerade weil in dieser Zeit das Verhältnis lediglich eine intensive Brieffreundschaft ist, die bis zum Juni 1905 ohne persönliche Begegnung bleibt, ist diese Etappe die vertrauteste, engste und zugleich engmaschigste, in der wichtige Grundlagen gelegt werden, auf die sich beide Korrespondenzpartner auch später immer wieder beziehen. Anders gesagt: Es werden in dieser Etappe bereits alle wesentlichen Themen angesprochen, die bis 1938 in unterschiedlicher Intensität eine Rolle spielen.