Die Beziehungsgeschichte von Hermann Hesse (geb. 1877) zu Thomas Mann (geb. 1875) ist ungleich komplexer, als der Briefwechsel erkennen lässt. Bis ins Detail Auskunft darüber gibt der Eintrag „Thomas Mann“ im Registerband (2007) der von Volker Michels herausgegebenen Sämtlichen Werke (vgl. 461 f.). Nimmt man den Briefwechsel zur Grundlage, lassen sich zwei Phasen unterscheiden: eine relativ oberflächliche kollegiale Phase in der Zeit vor 1933 und eine kollegial enge Phase nach 1933. Am Anfang steht Samuel Fischer, der Verleger, der seine beiden fast gleichaltrigen Erfolgsautoren zusammenzubringen gedachte. 1900 war Thomas Manns Buddenbrooks bei S. Fischer erschienen und hatte den 25-jährigen Lübecker Kaufmannssohn mit einem Schlag in die erste Reihe deutschsprachiger Autoren katapultiert. 1904 war Hesse, der 27-jährige Missionarssohn aus Calw, mit seinem Roman Peter Camenzind der literarische Durchbruch gelungen. Und da Hesse am 5.12.1903 in der Neuen Zürcher Zeitung Thomas Manns ersten Novellenband Tristan besprochen hatte (vgl. BW Hesse/Mann 1999, 49 f.), legt sich aus Verlegersicht ein baldiges Treffen nahe. Es findet in den ersten Apriltagen des Jahres 1904 in einem Hotel in München statt, ohne dass sich daraus ein näheres persönliches Verhältnis entwickelt hätte.

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Hesses Briefwechsel mit Thomas Mann

  • Karl-Josef Kuschel

摘要

Die Beziehungsgeschichte von Hermann Hesse (geb. 1877) zu Thomas Mann (geb. 1875) ist ungleich komplexer, als der Briefwechsel erkennen lässt. Bis ins Detail Auskunft darüber gibt der Eintrag „Thomas Mann“ im Registerband (2007) der von Volker Michels herausgegebenen Sämtlichen Werke (vgl. 461 f.). Nimmt man den Briefwechsel zur Grundlage, lassen sich zwei Phasen unterscheiden: eine relativ oberflächliche kollegiale Phase in der Zeit vor 1933 und eine kollegial enge Phase nach 1933. Am Anfang steht Samuel Fischer, der Verleger, der seine beiden fast gleichaltrigen Erfolgsautoren zusammenzubringen gedachte. 1900 war Thomas Manns Buddenbrooks bei S. Fischer erschienen und hatte den 25-jährigen Lübecker Kaufmannssohn mit einem Schlag in die erste Reihe deutschsprachiger Autoren katapultiert. 1904 war Hesse, der 27-jährige Missionarssohn aus Calw, mit seinem Roman Peter Camenzind der literarische Durchbruch gelungen. Und da Hesse am 5.12.1903 in der Neuen Zürcher Zeitung Thomas Manns ersten Novellenband Tristan besprochen hatte (vgl. BW Hesse/Mann 1999, 49 f.), legt sich aus Verlegersicht ein baldiges Treffen nahe. Es findet in den ersten Apriltagen des Jahres 1904 in einem Hotel in München statt, ohne dass sich daraus ein näheres persönliches Verhältnis entwickelt hätte.