Textaffine Bilder und malerische Texte
摘要
Hermann Hesses Werk beinhaltet nicht nur Entwicklungsromane, Kunstmärchen und Naturgedichte, sondern auch Texte, in denen sich das Motiv der Suche auf die Formebene erstreckt. Oftmals wird ausgehend von Erinnerungs- und Vorstellungsbildern, aber auch Gemälden über Ästhetik und Poetik reflektiert. Hesse, der im Rahmen seiner psychoanalytischen Therapie zu malen begann, schrieb Begleittexte für Ausstellungskataloge befreundeter Maler*innen sowie Rezensionen und partizipierte aktiv am zeitgenössischen Kunstdiskurs. Er setzte sich zudem intensiv mit malerischen Darstellungstechniken und -verfahren auseinander. Seine zahlreichen Aquarelle, die in der Forschung auf etwa 3.000 Exemplare geschätzt wurden (vgl. Michels 2013, 19), sind wie viele seiner Texte überwiegend kleinformatig (vgl. Stamm 2017) und zeigen Motive aus Hesses jeweiligem Lebensumfeld. Favorisierter Bildtypus ist das Landschaftsbild, das Elemente aus den Bereichen Natur und Zivilisation vereint. Nicht nur dieser Typus, sondern auch die wiederholte Auseinandersetzung mit einem Stoff, einer Konstellation oder einem Motiv findet sich in seinen literarischen Texten wieder. Gemäß Volker Michels liegt eine Wechselwirkung zwischen Text und Bild vor. Während die frühen Bilder stilistische Ähnlichkeiten zum vor der Hinwendung zur Malerei verfassten Roman Roßhalde aufweisen (vgl. Michels 2013, 22), adaptieren spätere Texte wie Stunden im Garten malerische Darstellungsverfahren.