Analyse und Poststrukturalismus
摘要
Eine Verbindung von poststrukturalistischer Theorie und musikalischer Analyse ist bisher lediglich in Ansätzen auszumachen, ohne dass sich diese in Form von lehr- und lernbaren Methoden etabliert bzw. institutionalisiert hätte. Die Gründe hierfür korrespondieren nicht zuletzt mit dem Umstand, dass Musik in den Primärtexten des Poststrukturalismus gegenüber anderen Kunstformen eine marginale Rolle spielt und die Praxis der musikalischen Analyse keine Erwähnung findet. Dennoch lassen sich zwischen Poststrukturalismus und musikalischer Analyse eine Vielzahl von Berührungspunkten markieren. Wie der erste Teil des Beitrages zu zeigen versucht, konzentriert sich der Poststrukturalismus auf Problemfelder, in denen sich auch die musikalische Analyse notorisch bewegt. Jeder wie auch immer entschlüsselbare musikalische »Text«, jeder analytisch explizierte Begriff einer musikalischen »Struktur « und jeder musikalische »Gegenstand« der Analyse muss sich – zumindest aus einer poststrukturalistischen Perspektive – in Bezug auf ihm äußerliche Instanzen befragen lassen, die ihn im Voraus mit der Hypothek analysierbaren Sinns belastet haben und auf diese Weise im Innersten destabilisieren. Derartig »ökonomischen« Widersprüchen soll im zweiten Teil des Beitrags anhand einer Analyse des Liedes Ihr Bild von Franz Schubert nachgegangen werden, die unter anderem zu zeigen versucht, inwiefern sich »Text-Musik-Bezüge« auf für sich selbst genommen asignifikante musikalische Klangmischungen aufpfropfen. Die mit poststrukturalistischen Ansätzen musikalischer Analyse verbundenen Herausforderungen werden in einem dritten Teil zusammengefasst.