Dieses Kapitel stellt Musikanalyse in den Kontext wissenschaftlicher Diskurse, wobei die Fachdisziplin der Historischen Musikwissenschaft und ihre eigene Geschichtlichkeit als Schnittstelle verschiedener Forschungsfelder aus der Musikwissenschaft und -theorie, den Kultur- und Sozialwissenschaften sowie den Naturwissenschaften agiert. Die Doppelfunktion von Musikanalyse als Methode zur Entwicklung, Anwendung und Erprobung musikalischer Fachsprachen, Regel- und Zeichensysteme, aber auch als Gegenstand und Problem historischer Forschung wird vor allem am Beispiel der poststrukturalistischen Wende in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erläutert, im Zuge derer der Begriff des Kunstwerks – bisher unbestrittener Ausgangspunkt jeder musikalischen Analyse – wesentlich erweitert und zur Disposition gestellt wurde. Mit einem Gang durch die Geschichte musikalischer Analyse im westeuropäischen Rahmen am roten Faden einschlägiger historischer Beispiele vollzieht das Kapitel den Weg musikanalytischen Denkens zum voll ausgebildeten Kunstwerkparadigma und seinem Anspruch auf ästhetische Autonomie im 19. Jahrhundert nach und leitet dann über in kulturwissenschaftliche Ansätze jenseits des Kunstwerkparadigmas. In Form einer Diskursanalyse des Zusammenwirkens von Geschichtsforschung, Geschichtsschreibung und Musikanalyse und der bereits zu beobachtenden sowie zu erwartenden Konsequenzen für die jeweiligen Fachgrundlagen macht das Kapitel die wissenschaftlichen Kontexte und Grenzen sichtbar, innerhalb derer die Leistungsfähigkeit und der Wahrheitsanspruch von Musikanalyse verankert und überprüft werden können.

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Musikanalyse im Kontext der Historischen Musikwissenschaft

  • Tobias Janz

摘要

Dieses Kapitel stellt Musikanalyse in den Kontext wissenschaftlicher Diskurse, wobei die Fachdisziplin der Historischen Musikwissenschaft und ihre eigene Geschichtlichkeit als Schnittstelle verschiedener Forschungsfelder aus der Musikwissenschaft und -theorie, den Kultur- und Sozialwissenschaften sowie den Naturwissenschaften agiert. Die Doppelfunktion von Musikanalyse als Methode zur Entwicklung, Anwendung und Erprobung musikalischer Fachsprachen, Regel- und Zeichensysteme, aber auch als Gegenstand und Problem historischer Forschung wird vor allem am Beispiel der poststrukturalistischen Wende in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erläutert, im Zuge derer der Begriff des Kunstwerks – bisher unbestrittener Ausgangspunkt jeder musikalischen Analyse – wesentlich erweitert und zur Disposition gestellt wurde. Mit einem Gang durch die Geschichte musikalischer Analyse im westeuropäischen Rahmen am roten Faden einschlägiger historischer Beispiele vollzieht das Kapitel den Weg musikanalytischen Denkens zum voll ausgebildeten Kunstwerkparadigma und seinem Anspruch auf ästhetische Autonomie im 19. Jahrhundert nach und leitet dann über in kulturwissenschaftliche Ansätze jenseits des Kunstwerkparadigmas. In Form einer Diskursanalyse des Zusammenwirkens von Geschichtsforschung, Geschichtsschreibung und Musikanalyse und der bereits zu beobachtenden sowie zu erwartenden Konsequenzen für die jeweiligen Fachgrundlagen macht das Kapitel die wissenschaftlichen Kontexte und Grenzen sichtbar, innerhalb derer die Leistungsfähigkeit und der Wahrheitsanspruch von Musikanalyse verankert und überprüft werden können.