Kontrapunkt
摘要
Die Lehre vom Kontrapunkt ist für die Komposition seit dem Mittelalter von fundamentaler Bedeutung und umfasst über das Handwerk hinaus ästhetische und poetologische Fragen. Kontrapunkt als Instrument musikalischer Analyse hingegen fand in der Geschichte der Musiktheorie an verschiedensten Orten der Kompositionslehre statt, sodass grundsätzlich nach dem Ort kontrapunktischer Analyse in historischen wie aktuellen Kompositions- und Kontrapunktlehren zu fragen ist, um in einem weiteren Schritt die jeweiligen analytischen Methoden zu erarbeiten und untereinander zu vergleichen. Ausgehend von Modellanalysen in Kontrapunktlehren der Renaissance, die vor allem die dort dargelegten kompositionstechnischen Entwürfe begleiten, soll die Demonstration verschiedener historischer Zugänge zur Analyse kontrapunktischer Strukturen den Wechsel der methodischen Paradigmen nachvollziehbar machen. Im Mittelpunkt stehen analytische Ansätze zur Fugenkomposition bei Johann Sebastian Bach: zunächst zeitgenössische Methoden und ihre Terminologien bei Kirnberger, dann – ausgehend von den Analysen Josef Gabriel Rheinbergers aus den 1860er-Jahren – die Analysen des frühen 20. Jahrhunderts, darunter eine Gegenüberstellung der Ansätze von Hugo Riemann und Heinrich Schenker. Schließlich werden in einer Reihe analytischer Schlaglichter aus der Musik von Josquin über Monteverdi bis hin zu Ligeti exemplarisch verschiedene Ausprägungen und Anwendungen kontrapunktischer Analyse und ihrer Methoden präsentiert und kritisch ausgewertet.