Tonalität seit 1900
摘要
»Tonalität« wird häufig als universell gültiges, quasi zeitloses Konzept angesehen. Musikanalytische Zugänge zu Tonalität seit 1900 zu entwickeln bedeutet dagegen, das Konzept und entsprechende kompositorische Techniken für das 20. und 21. Jahrhundert spezifisch zu historisieren. Das Kapitel stellt mit der Analyse von Oktatonik und Hexatonik und der Hinzuziehung von musiktheoretischen Begriffen der musikalischen Set Theory und der Neo-Riemannian Theory analytische Werkzeuge für Musik vor, die nach der Phase der Atonalität weiter mit Dur- und Molldreiklängen arbeitet, aber nicht mehr auf heptatonischen Tonmengen und der Polarität einer Tonika-Dominant-Achse beruht. Die methodisch fundierte Analyse von tonaler Musik seit 1900 bietet die Möglichkeit, die kompositorische Arbeit mit Dreiklängen und tonalen Prozessen weniger aus dem Gegensatz zur Atonalität und Dodekaphonie heraus zu verstehen, sondern sie vielmehr als eigenständige, bis in die Gegenwart reichende kompositorische Kontinuität zu rekonstruieren.