Satzmodelle
摘要
Satzmodelle und musikalische Schemata sind Werkzeuge einer musikalischen Analyse, die weitgehend aus einem strukturanalytischen Paradigma heraus entwickelt ist. Modellhafte Strukturen vor allem der Tonhöhe werden als Satzmodelle oder satztechnische Modelle erfasst, benannt und sowohl in der Kompositions- und Improvisationsdidaktik als auch in der musiktheoretischen und musikwissenschaftlichen Analyse eingesetzt, um eine stilgebundene Norm als nicht verbal erklärte, sondern musikalisch repräsentierte Stilkunde in die analytische Tätigkeit einfließen zu lassen. Während der Einsatz von Modellen in der Kompositionsdidaktik, besonders in der Partimento-Lehre, auf eine lange Tradition zurückblickt, ist die moderne Modellund Schematheorie eine Erfindung des 20. Jahrhunderts und kann als Reaktion auf die großen Theorien der Tonalität wie Hugo Riemanns Funktionstheorie und Heinrich Schenkers Schichtenlehre verstanden werden. Das Verhältnis der Schematheorie zur Schenkerian Analysis ist insofern ein besonderes, als ein zum Teil sehr ähnliches modellhaftes Denken in »linear intervallic patterns « ein wesentlicher Bestandteil des Mittelgrund-Levels in der Schenkerian Analysis ist. Hier wie auch in den verschiedenen Ausprägungen der Theorie der Satzmodelle und Schemata im deutschsprachigen Raum und in den USA wird deutlich, dass die jeweiligen Profile und Fachtermini der Analyseansätze nicht nur der Analysepraxis selbst, sondern auch dem Verlauf musiktheoretischer Diskurse verpflichtet sind. Einheitlich ist allerdings im deutschen wie amerikanischen Diskurs die große Nähe zur Toposforschung bzw. zur Topic Theory. Die gelegentlich vorgenommene Einschränkung des für die Schematheorie relevanten musikalischen Repertoires auf das 18. Jahrhundert, auf den sogenannten galanten Stil, hängt in amerikanischen Ansätzen mit der Prominenz der Arbeiten von Robert O. Gjerdingen zusammen. Die ebenfalls von Gjerdingen hergestellten Bezüge zur Kognitionstheorie machen die Schematheorie anschlussfähig an systematische Musikwissenschaft.