Krankheit/Pathologisierung
摘要
Altern, Zeitlichkeit und Krankheit sind eng miteinander verbunden. Alle diese Konzepte werden gesellschaftlich wie wissenschaftlich unterschiedlich interpretiert. Seit dem 19. Jahrhundert wird Altern zunehmend mit Degeneration und Defiziten assoziiert, was die Frage aufwirft, ob Alter als Krankheit zu verstehen sei. Es existieren verschiedene Alternskonzepte – biologisch, psychologisch/kognitiv und sozial –, die historisch und methodisch variabel sind. Die Definition von Krankheit umfasst ebenfalls biologische, subjektive und soziale Dimensionen, wodurch die Einordnung des Alterns als Krankheit komplex bleibt. Während einige Autoren Alter als natürlichen Prozess sehen, argumentieren andere, dass auch natürliche Prozesse als Krankheit gelten können. Die Medikalisierung des Alterns, also die Ausweitung medizinischer Deutungshoheit auf das Alter, wird kritisch diskutiert: Sie kann zu Stigmatisierung und Diskriminierung führen, aber auch den Zugang zu medizinischer Versorgung verbessern. Die Debatte um die Depathologisierung des Alters bewegt sich zwischen den Polen Normalisierung, Dekonstruktion und Empowerment, die sich gegenseitig ausschließen können. Insgesamt zeigt sich, dass die Begriffe Altern, Krankheit und Pathologisierung historisch wandelbar und gesellschaftlich konstruiert sind. Die Frage, ob Alter(n) eine Krankheit ist, bleibt aufgrund dieser Vielschichtigkeit umstritten und wird von wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Interessen geprägt.