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Melancholie

  • Constanze Baum

摘要

»Du gingst, um dich dort treiben zu lassen,« lautet eine der ersten Zeilen in Etel Adnans Trauermarsch für den ersten Kosmonauten von 1968, einer Ode auf den verstorbenen Juri Gagarin, der als erster Reisender – ohne eine Möglichkeit des lenkenden Eingreifens – in die unendlichen Weiten des Weltraums (s. Kap. 41) katapultiert wurde. Adnan betrauert Gagarin als kosmisch- melancholischen Ikarus und überträgt die Stille des Alls und das einsame Dasein des Weltraumreisenden in der Schwerelosigkeit in ein kollektives, schwermütiges Weltgefühl: »Und wir sind die Einwärtsgekehrten des Weltraumzeitalters / [...] sprechen und bleiben verloren« (Adnan 2019, unpag.). Melancholie als eine ins Depressive neigende Gefühlsdisposition, als düster-resignative Verstimmung auf der einen, und Reisen als Bewegung im Erfahrungsraum auf der anderen Seite stehen in der Literatur epochenübergreifend in enger, aber nicht immer spannungsfreier Relation zueinander (vgl. Goebel 2003, 446– 451).