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1945–1989

  • Christoph Jürgensen,
  • Antonius Weixler

摘要

Der reiseliterarische Diskurs kennt so wenig eine ›Stunde Null‹ wie das literarische Feld nach Ende der Kriegszeit insgesamt. Vielmehr lässt sich sowohl aus akteursbezogener als auch aus thematischer Perspektive feststellen, dass fast bruchlos an poetologische Programme angeknüpft wird, die schon während der 1930er Jahre entwickelt wurden, sich unter den Bedingungen einer neu formatierten literarischen Öffentlichkeit aber nun erst oder anders artikulieren lassen: Kulturrelativistische Texte stehen neben romantisierenden Mythisierungen des Reisens, realistische Verfahren neben hochsymbolischen, und Alteritätserfahrungen werden sowohl für thematische Individualisierungsprozesse als auch produktionsästhetische Impulse verwendet. Während die realistischen Vertextungsverfahren dabei bis Ende der 1980er Jahre ›durchlaufen‹, entwickelt sich daneben eine postmoderne Spielart der Reiseliteratur, die die traditionelle Gegenüberstellung von Identität vs. Alterität transzendiert und grundsätzlich an der ontologischen Differenz von ›Realität‹ und ›Fiktion‹ zweifelt.