Stephen Greenblatt liest Christoph Kolumbus
摘要
Die von Christoph Kolumbus verfassten Aufzeichnungen und Berichte über seine vier Indienfahrten gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen der Reiseliteratur (s. Kap. 71). Dies allerdings weniger, weil sie den ›Fund‹ einer bis dahin unbekannten Inselwelt und die Begegnung mit ihren Bewohnern verlässlich dokumentieren würden, sondern vielmehr, weil sie zum einen Ausdruck einer massiven epistemologischen Verunsicherung sind und zum anderen die koloniale Praxis einer gewaltsamen Unterwerfung der ›Neuen Welt‹ vorbereiten. Kolumbus hatte auf einer neuen Westroute in den fernen Osten reisen wollen und fand in der spanischen Krone nach längerer Suche endlich einen Financier für ein Abenteuer, das nach dem geographischen Wissensstand seiner Zeit eigentlich zum Scheitern verurteilt war. Er suchte das schon von Marco Polo, Jean de Mandeville und anderen beschriebene Cipango (das heutige Japan) und die Herrschaftsgebiete des Großkhans mit ihren legendären Reichtümern.