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Leseschaft

  • Kerstin Barndt

摘要

Trotz Medienkonkurrenz war die Weimarer Republik eine Republik der Leser/innen. Sowohl der Beginn der Republik wie auch ihr Ende wurden von einem außerordentlichen Leseboom begleitet. Die Weimarer Demokratie stärkte den Eigensinn von Leser/innen und differenzierte den Kanon populärer Weimarer Literatur. Leser/innen folgten Fortsetzungsromanen, die in der immer größeren Anzahl von Tageszeitungen erschienen, frequentierten ein wachsendes Netz von Bibliotheken, lasen Heftchenliteratur und tauschten Lektüretipps. Bereits die Weimarer Sozialwissenschaft nahm die damit einhergehende Fragmentarisierung der literarischen Öffentlichkeit und Abkehr von liberalen wie konservativen Bildungsvorgaben kritisch unter die Lupe. In kritischer Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Studien, verortet das Kapitel Leser/innen im Nexus eines sich verändernden modernen Sozialgefüges zwischen Demokratisierung, Nationalisierung und Radikalisierung. Dabei kam dem ersten deutschen Institut für Lese- und Schrifttumskunde in Leipzig und Studien zum lesenden Arbeiter und der lesenden Frau eine besondere Rolle zu.