Kulturkritik
摘要
Der Begriff ‚Kulturkritik‘ wurde in der intellektuellen Debatte lange Zeit polemisch eingesetzt, um eine angeblich reaktionäre Ablehnung der künstlerischen und kulturellen Moderne zu kennzeichnen. Der Germanist Georg Bollenbeck hat versucht, den Begriff aus diskursgeschichtlicher Sicht zu definieren. Kulturkritik erscheint ihm als „Reflexionsmodus der Moderne“ (Bollenbeck 2005, 41–53), d. h. als kritische Reflexion über den Fortschritt, die im 18. Jh. gleichzeitig mit der Fortschrittsideologie selbst entstanden ist. Nach Bollenbeck kann die Kulturkritik durch folgende Merkmale charakterisiert werden: Sie liest die Gegenwart im Lichte eines normativen Ideals oder einer hypothetischen Vergangenheit, sie impliziert ein Bewusstsein für den historischen Charakter der Kultur, sie ist offen für moderne Phänomene, die von akademischen Denker/innen nicht berücksichtigt werden, sie ist oft interdiskursiv, insofern als sie an der Peripherie etablierter Disziplinen angesiedelt ist (ihre Vertreter/innen sind oft – aber nicht nur – Essayist/innen oder akademische Außenseiter/innen), sie basiert oft auf einem nicht-systematischen Denken, das nicht auf terminologische Genauigkeit oder empirische Überprüfung bedacht ist. Schließlich entwickelt sie eine metapolitische Konstruktion, d. h. ein globales Interpretationsmuster, das die Grenze zwischen rechts und links transzendiert.