Intellektuelles Leben
摘要
Die Zwischenkriegszeit in Deutschland und Europa ist von herausragender intellektuellengeschichtlicher Bedeutung. Der genuin politische Charakter der Weimarer Republik und ihre Krisen, die neuartige demokratische und multimediale Öffentlichkeit und die „philosophische Blüte“ der 1920er Jahre, als „Philosophie nicht mehr Universitäts-Philosophie“ war (Marcuse 1989, 378–379), forderten und förderten das Auftreten von Intellektuellen. Doch nur wenige von ihnen verteidigten die erste deutsche Demokratie, die belastet wurde durch den Versailler Vertrag samt Kriegsschuldfrage und Reparationszahlungen, den politischen Terror der Anfangsjahre samt gezielten Morden (u. a. Rosa Luxemburg 1919, Matthias Erzberger 1921, Walther Rathenau 1922), Umsturzversuchen wie dem Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 und Angriffen auf die Pressefreiheit, außerdem durch Inflation, Massenarbeitslosigkeit und die Weltwirtschaftskrise, so dass der Ausnahmezustand zur Regel zu werden drohte (s. Kap. 49). Die gängige These, es habe sich um eine ‚Republik ohne Republikaner‘ gehandelt, greift zwar zu kurz, führt aber zur Frage nach der Rolle der Intellektuellen, die sich keineswegs in politischen Grundsatzdebatten erschöpfte.