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Neuer Mann

  • Klaus Wieland

摘要

‚Neuer Mann‘ ist kein feststehender Ausdruck wie der Begriff ‚Neue Frau‘ (s. Kap. 25), der das emanzipierte Frauen-Leitbild der 1920er Jahre bezeichnet, also eine selbstbewusste, selbstbestimmte und finanziell unabhängige Frau. Und doch waren Männer in der Weimarer Republik mit einer neuen, schwierig zu bewältigenden psychischen, politischen und sozio-ökonomischen Situation konfrontiert, die eine Herausforderung für ihr männliches Selbstbild darstellte: Die Soldaten des Ersten Weltkriegs mussten ihre teilweise traumatischen Kriegserfahrungen verarbeiten, durch die Einführung des Frauenwahlrechts im Jahre 1919 mussten Männer die politische Partizipation mit den Frauen teilen, und angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit, vor allem seit der Weltwirtschaftskrise 1929, wurde es für Männer immer schwerer, der traditionellen männlichen Geschlechterrolle des Brotverdieners gerecht zu werden. Die Kultur und Literatur der Weimarer Republik reagierten auf diese Situation unterschiedlich, einerseits mit der apologetischen Bekräftigung des virilen, kämpferischen Männerbilds, andererseits mit der Suche nach alternativen Männlichkeiten jenseits der hegemonialen Maskulinität.